Ortsteil Reichelsheim / Vereine / Turn- und Sportgemeinde Reichelsheim

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Am 08. März 1934 gründete der Reichsführerring den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL) als nationalistischen Einheitsbund unter der Leitung des Reichssportführers. So kam man im August 1934 überein, den seit seit 1902 existierenden Turnverein "Germania" und den 1920 gegründeten Sportverein zusammenzuschließen. Man nannte sich fortan "Turn- und Sportgemeinde Reichelsheim".

Im nationalsozialistischen Deutschland war Sport ein Mittel der Volkserziehung und wurde gezielt gefördert und geleitet. Mit Begeisterung ließen sich Vereine im Sinne der NS-Ideologie gleichschalten. Mitglieder mussten arischer Abstammung sein. Politisch andersdenkende waren - und erst recht in Reichelsheim - nicht gerne gesehen.

Am 01. Januar 1936 trat eine dem Führerprinzip angepasste, für alle Sportvereine "allgemeine Satzung" in Kraft. Diese gab als Zweck "die leibliche und charakterliche Erziehung der in der Mitgliedsorganisation zusammengeschlossenen Deutschen [...] im Geist des nationalsozialistischen Staates [...]"an.
Damit war klar: Mitglied eines Sportverbandes konnte nur ein arisch Deutscher sein und als solcher war diese Person automatisch Angehöriger eines der NSDAP angeschlossenen Verbandes. Durch die strenge, überwachende Führerhierarchie konnten die Anforderungen der Satzung nur schwer umgangen werden.


Schon früh betonte Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“, welches Ziel der Sport im Dritten Reich einzunehmen habe: „In erster Linie das Heranzüchten gesunder Körper“. Der Staat habe dafür Sorge zu tragen, den jungen Körper von frühester Kindheit an zu trainieren, um ihn für das spätere Leben zu formen. Den Leitsatz "Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist" haben einige oft genug gehört.

Die zu schaffenden Voraussetzungen geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit mit Blick auf die Wehrertüchtigung der männlichen Jugend - das war die Aufgabe der Organisationen unter dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL)

"Leibesübungen", ein Wort, das in der NS-Sprachregelung dem Begriff "Sport" vorgezogen wurde, beherrschte den bürgerlichen Sportbetrieb. Schon die Kleinsten führte man spielerisch an die geplante "Leibeserziehung" heran. Dieses setzte sich bei den Pimpfen - dem deutschen Jungvolk fort und erreichte seinen Höhepunkt bei HJ (männliche Hitlerjugend) und BDM (Bund deutscher Mädel).

Die körperliche Erziehung der weiblichen Jugendlichen sollte vor allem dazu dienen, sie auf die zukünftige Rolle einer Ehefrau und kinderreichen Mutter vorzubereiten.

In der Erziehung der deutschen Jugend werden körperlich und geistig Behinderte, Juden, und Jugendliche nicht arischer Abstammung ausgegrenzt. Auch hier gibt es einige dokumentierte Fälle in Reichelsheim.


Aus Winfried Joch: Poltische Leibeserziehung und ihre Theorie im nationalsozialistischen Deutschland Seite 612:

"Man gebe der deutschen Nation sechs Millionen sportlich tadellos trainierte Körper, alle von fanatischer Vaterlandsliebe durchglüht und zu höchstem Angriffsgeist erzogen, und ein nationaler Staat wird aus ihnen, wenn notwendig, in nicht einmal zwei Jahren, eine Armee geschaffen haben."


Nun ja ... wo das hingeführt hat, ist uns heute nur zu gut bekannt - war es uns das auch bewußt?


Nicht verwunderlich also, daß die Besatzer in 1945 jegliche Vereinstätigkeiten untersagten und erst nach intensiver Prüfung, ggf. erfolgter Entnazifizierung der Personen, einzelne Vereine wieder zugelassen wurden.

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