Lochberg

Aus Historisches Reichelsheim

Der Lochberg ist die Anhöhe, die sich rechter Hand erhebt, wenn man von Reichelsheim kommend in Rtg. Bingenheim bzw. Blofeld fährt. Er liegt in dem Dreieck entlang der L3187 beginnend ab der Kurve an der Bingenheimer Mühle bis hin zum Bingenheimer Kreuz und von da an rechts ab Rtg. Leidecken. Kurz vor der Abbiegung nach Blofeld erreicht man bald seinen höchsten Punkt.

Vor langer Zeit hatte der Lochberg bzw. einzelne Güter des Lochbergs möglicherweise zur Reichelsheimer Gemarkung gehört. Heute liegt der Lochberg in der Gemeinde Bingenheim, was verwaltungstechnisch nach Echzell gehört. Reichelsheim besitzt 2 Parzellen auf dieser Anhöhe. Aus den Jahren 1775-1780 sind im Landesarchiv noch Verträge über die Güter auf dem Loh zwischen dem Amt Reichelsheim und dem hessen-darmstädtischen Amt Bingenheim vorhanden. [1]


Im städtischen Archiv existiert eine Handskizze des Lochberges ohne Datum mit dem Titel "Handriss über den Reichelsheimer Wingertsberg und Lohe". Weiterhin ist auf einem Geometrischen Plan des Fleckens Reichelsheim aus dem Jahre 1761 der heutige Lochberg bezeichnet mit "Der Reichelsheimer-Eigentums-Wingertsberg". In diesem Zusammenhang sind auch die Weinblätter auf dem seit 1972 gültigen Stadtwappen von Reichelsheim zu sehen.

In ca 150 m Entfernung von dieser Kreuzung rechter Hand auf dem Hügel befand sich auf dem Lochberg zur Römerzeit ein Kleinkastell

Der Name Lochberg findet sich auf vielen Kartenwerken und hat sich in die heutige Zeit etabliert. Die Kuppe dieser Anhöhe ist von einer großen Mulde geprägt, so daß sich im Laufe der Jahre der Name Lochberg durchgesetzt hat.

Mundartlich wird diese Erhöhung auch Lohberg oder Luhberg bzw Lugberg genannt. Der Name Lohberg könnte von dem Begriff Loh im Sinne der Lohgewinnung überliefert worden sein. Lohe nannte man die Rinde von jungen Eichen, die darin enthaltenen Gerbstoffe brauchte man zur Erzeugung von Leder. Gerber gab es in Reichelsheim zur genüge. Von unsern Vorfahren wurde der Eichenniederwald auch ganz einfach „Luh" genannt. Orts- und Flurnamen erinnern auch in anderen Gemarkungen an diese Beschäftigung unserer Ahnen (z. B. Luhberg, Luhheck, usw.) Auch Familiennamen wie Lohscheider, Lohmann usw. deuten auf diese Tätigkeit hin.

Loh steht für:

  • die frühere Bezeichnung von hochliegendem, weithin sichtbarem Gehölz.
  • Für die Germanen waren Lohe heilige Haine und Opferstätten
  • Das althochdeutsche lo bzw. loh hatte mehrere Bedeutungen, die die Deutung darauf aufbauender Flurnamen erschweren. Häufige Grundbezeichnung ist "lichter Wald" bzw. "Hain" aber auch genauso schlicht und einfach nur "Loch".
  • Lo (oder „Lohe“) wurde auch die in hainartigen Wäldern gewonnene Eichenrinde genannt. Lohe enthält den Gerbstoff Tannin und kann deshalb zum Gerben von Leder verwendet werden.
  • Das mittelhochdeutsche Wort lo bedeutet abreißen, schälen oder löchern. In der Regel handelte es sich dabei um Rinde, Blätter oder Holz von Eichen (Eichenlohe) und Fichten, die sehr gerbstoffreich sind und in zerkleinerter Form benutzt wurden. Die zur Gewinnung genutzten Wälder wurden auch als Lohwälder bezeichnet.
  • Lohe war früher immer ein wichtiger Rohstoff für Gerbereien.

Für das Lohschälen kamen junge Eichenstämmchen in Frage. Die Niederwaldwirtschaft war für die Lohgewinnung die rechte Voraussetzung.


Im 3. Reich hatten die Reichelsheimer Nationalsozialisten auf der gemeindeeigenen Parzelle auf dem Lochberg ein Ehrenmal zum Gedenken "Den Toten der Bewegung von 1933" erstellt. Diese Kultstätte hatte man 1945 vor dem Eintreffen der Alliierten niedergerissen.


Hinweise