Ehrenmal zum Gedenken "Den Toten der Bewegung von 1933"

Aus Historisches Reichelsheim
Das Ehrenmal auf dem Lochberg zum Gedenken "Den Toten der Bewegung" am Tage der Einweihung, dem 19.November 1933

Nach dem Umbau gepachteter Räume in der „Bingenheimer Mühle“ zu einer „Herberge und Schulungsstätte der neuen deutschen Jugend“, benannt nach Peter Gemeinder, dem verstorbenen NS-Gauleiter von Hessen-Nassau folgte bald die Errichtung eines „NS-Ehrenmales“ auf dem Lug- bzw. Lochberg.

Ein Ehrenmal für die Männer und Frauen, die ihr Leben gelassen haben für die Partei, den Wegbereitern des neuen Deutschlands.

Es soll kein "Prunkmal" werden, nein! Ein einfaches und schlichtes Ehrenmal, zu dem alt und jung der umliegenden Dörfer hinaufschauen könnte und sich aufrichten und stärken könnte im Hinblick auf dieses Heldenopfer.

Mitinitiator und Gestalter dieses „Mahnmals“, war der Reichelsheimer Lehrer Keller, welcher nach Aussagen von Zeitzeugen nahezu jeden Tag dabei beobachtet werden konnte, wie er mit dem NS-Jungvolk und/oder der Hitler-Jugend an der „Baustelle“ wirkte.

Das Denkmal bestand aus einem siebeneinhalb Meter hohen und 40cm dicken Lärchenholzkreuz auf einem basaltenen Unterbau. Dieser trägt zwei hölzerne Platten mit der Inschrift "DEN TOTEN" "DER BEWEGUNG" und dazwischen ein hölzernes 90cm großes Hakenkreuz. Rechts und links an den Stirnseiten die Jahreszahl 1933.

Die feierliche Einweihung des Ehrenmals war am 19.11.1933, es waren mehrere hundert Gäste und laut Zeitungsbericht an die 6000 Zuschauer vor Ort.

Kurz vor dem Eintreffen der Alliierten hatte man es 1945 abgebrochen - genauso wie man aus Angst vor dem vorrückenden "Feind" überhaupt alles hat verschwinden lassen, worauf ein Hakenkreuz zu erkennen war oder eine Zugehörigkeit zu nationalsozialistischen Aktivitäten hätte vermutet werden können.


Das Ehrenmal für die Toten der NS-Bewegung auf dem Lugberg

"Die Vorgeschichte"

1932 - nach der Wiederwahl Hindenburgs - gab dieser dem Drängen der Länder nach und unterzeichnete „Zur Sicherung der Staatsautorität“ die Notverordnung: Sämtliche militärähnlichen Organisationen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, insbesondere die Sturmabteilung (SA) und die Schutzstaffel (SS), mit allen dazugehörigen Stäben und sonstigen Einrichtungen wurden verboten. Noch einmal leistete die Republik von Weimar Widerstand gegen die stetig wachsende Gefahr von Rechts. Doch schon zwei Monate später erfolgte die Aufhebung des Verbots, die Demokratie hatte verloren. Am 14. Juni 1932 verkündete der neue Reichsinnenminister über den Rundfunk: „Alle alten Bestimmungen sind aufgehoben. Nunmehr können auch die SS- und die SA-Verbände der nationalsozialistischen Bewegung wieder aufleben. Die Auswirkungen waren sofort zu spüren. Bis zu den Reichstagswahlen im Juli 1932 - also einen Monat später - forderten die Zusammenstöße zwischen der SA und dem Rotfrontkämpferbund der KPD allein in Preußen 99 Tote und über 1000 Verletzte.


(aus dem Heimatbuch Reichelsheim von Lehrer Heinrich Keller)

Es war in den Märztagen des Jahres 33 in den Abendstunden, als 2 Männer ihre Schritte am Peter-Gemeinder-Heim vorbeilenkten und hinaufschritten auf die 5 Minuten von hier entfernt liegende Basaltkuppe, den "Lugberg" oder wie sie im Volksmund heißt "der Luh", der "Luhberg". Ihre Gedanken waren beschäftigt mit den gewaltigen Ereignissen der vergangenen 2 Monate und ihre Herzen waren tief beeindruckt von dem Umbruch des 30. Januar, herbeigeführt von dem größten aller deutschen, dem Führer Adolf Hitler.
Und so waren die beiden oben angelangt auf der kahlen Einöde, wo nur dürres Gras wächst, in das hier und da rote Blüten der Steinnelke wie Blutstropfen hineingestreut sind.
Drüben über den dunklen Taunusbergen färbt die untergehende Sonne den Himmel gelb und rot und über der weiten Wetterau liegt abendlicher Friede. Da werden die Herzen weit und dankbar. Man sieht drunten über dem Dach des Peter-Gemeinder-Heimes die die Fahne der neuen, deutschen Jugend sich leis im Abendwind bewegen und die Gedankensind gerichtet auf jene Männer, die fürs neue deutsche Reich in den Tod gingen. Und ein großer Plan setzte sich in die Herzen der beiden Wanderer an jenem stillen Märzabend fest. Wie wäre es, wenn man jenen Toten des 3ten Reiches ein Gedächtnismal, der Jugend ein Mahnmal, auf dieser einsamen Bergeshöhe, von der man so weit hinausschaut, über die Wetterauer Lande, errichten würde? Kein Denkmal, nein! Ein einfaches, schlichtes Ehrenmal zu dem alt und jung der umliegenden Dörfer hinaufschauen könnte und sich aufrichten und stärken könnte im Hinblick auf dieses Heldenopfer! Und der Plan reifte in aller Stille. Bald lag ein kleiner Entwurf vor, der sich mit wenig Unkosten in die Wirklichkeit umsetzen ließe. Die beiden Männer an jenen Märztagen waren der stellungslose Ingenieur Trehser, der im Pfarrhaus Rühl zu Besuch weilte, und der Schreiber dieser Zeilen (Lehrer Heinrich Keller). Letzterer trug seinen Plan dem damaligen Ortsgruppenleiter Bürgermeister Veith vor, der begeistert zustimmte. Auch der Gemeinderat stimmte zu und so wurde die Sache geschafft. Nach persönlicher Rücksprache mit dem Gaupropagandaleiter Müller-Scheldt, Frankfurt/M dem ein Bauplan vorgelegt wurde, mußte ein Frankfurter Künstler einen neuen Entwurf anfertigen, der aber wegen seiner ungeheuren Baukosten, die er verursacht hätte, nicht berücksichtigt werden konnte. Und so hielt man am ersten Entwurf fest.
In den 3 wöchentlichen Herbstferien ging es an die Durchführung. Da sah man tagtäglich die Schüler, Jungvolkjungen, mit ihrem Lehrer auf dem "Lugberg" mit Schippen und Harken bei der Arbeit. Erstaunt sahen die Menschen, die drunten in der Ebene die Ernte heimschafften, dem Treiben zu. Tag und Nacht flatterte an der Arbeitsstätte eine kleine Hakenkreuzfahne.
Man hatte erst vor, daß Ehrenmal auf der der Gemeinde Dorn-Assenheim gehörigen Höhe zu errichten, aber der Bürgermeister von Dorn-Assenheim lehnte unsere Bitte ab. So bauten wir es dann auf Reichelsheimer Grund und Boden.
Anfangs November wurde dann das mächtige Kreuz aus Lärchenholz errichtet und das Mauerwerk geschaffen. Am 19. November, einem herrlichen, sonnigen Herbsttag, konnte es unter Beteiligung der Bevölkerung der umliegenden Dörfer, der NS Verbände und des Friedberger Stahlhelm eingeweiht werden.
Es war das erste Ehrenmal dieser Art im Gau Hessen-Nassau.

Es sollte ein Zeichen dafür sein, daß wir von heute, das große Heldenopfer der Toten der NS Bewegung in Dankbarkeit zu würdigen wußten. An alle ergeht deshalb die Mahnung: "Vergesst die Toten nicht und erhaltet das Ehrenmal auf dem Lugberg zu ihrem Gedächtnis für ewige Zeiten!"

siehe auch


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Fußnoten

  1. Neubach = Flutbach siehe https://reichelsheim-wetterau-wiki.de/index.php?title=Flutbach
  2. Parteigenosse
  3. Bund deutscher Mädel
  4. Hitlerjugend