Artikel der Rubrik "Damals" / Kriegerverein Reichelsheim gegr. Mai 1874

Aus Historisches Reichelsheim

Für den Stadtkurier 24. Mai 2024
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals":
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


Bildbeschreibung:

Kriegerverein Reichelsheim

Erstmals im Jahre 1786 hatten ehemalige Füsiliere des Infanterieregiments 36 um die Erlaubnis gebeten, eine Brüderschaft gründen zu dürfen.
Es sollte damit die rechtliche Grundlage geschaffen werden, verstorbenen Kameraden ein letztes ehrenvolles Geleit zuteil werden zu lassen. Des weiteren wolle man bedürftige Kameraden, Kriegsversehrte als auch deren Hinterbliebene unterstützen.
Der preußische König Friedrich erteilte seinen Veteranen diese Genehmigung persönlich.

Landesweit schlossen sich in vielen Gemeinden ehemalige "Krieger" zu Vereinen und Kameradschaften zusammen und jährlich nahm deren Zahl zu. 1842 wurden diese Verbände durch "allerhöchste Kabinettsorder" gesetzlich als nationale Organisation anerkannt und verfügten oft schon über ein Unterstützungs- und Sterbekassenwesen.

Vor allem nach dem siegreichen Frankreichfeldzug von 1870/71 und der darauffolgenden Gründung des Deutschen Reichs standen die deutschen Krieger bei großen Teilen der Bevölkerung in hohem Ansehen und dies führte zu enormer Popularität dieser Organisationen.

In 1872 entstand mit dem Ziel der Förderung und Pflege soldatischer Tradition, der Kameradschaft und des Brauchtums die Kriegerkameradschaft Hassia, Sie entwickelte sich zum Landesverband für das Großherzogtum Hessen. Ihr schlossen sich viele örtliche Kriegervereine, Gesangs-und Militärmusikervereine an. So war es auch in Reichelsheim selbstverständlich, daß die hiesigen Kriegsveteranen einen Kriegerverein gründeten und sich der Kriegerkameradschaft Hassia anschlossen.

Die Reichelsheimer gründeten ihren Verein im Mai 1874 und nannten ihn Veteranen-und Militär-Verein Reichelsheim i.d.W.

Vom 1. bis 3. Juli 1899 läd der Kriegerverein Reichelsheim zum 25 jährigen Stiftungsfest ein und veröffentlicht seine Einladung in der regionalen Presse.
Auf der gleichen Seite des Oberhessischen Anzeigers ist zu lesen: Der Vorstand des Veteranen- und Militär-Verein Friedberg weißt darauf hin: "Den 2. Juli Mittags 12:10 Uhr … Abfahrt nach Reichelsheim - zahlreiche Beteiligung wird erwartet."
Es kann also davon ausgegangen werden, daß die Kriegervereine aller umgebenden Ortschaften nach Reichelsheim eingeladen waren und daß es kein kleines Fest war.

Einige Besucher dieses Festes nutzten die Gelegenheit, um einen Gruß zu verschicken. Solche Ansichtskarten waren standardisiert. Das Motiv war vorgegeben und man brauchte lediglich einen Stempel mit Anlass, Ort und Datum aufzubringen.

Abgebildet ist eine Karte mit einem Motiv, worauf ein Veteran im Kreise deutscher Soldaten verschiedener Länder und Truppengattungen seinen Zylinder zum Gruße schwenkt. Der afrikanische Kolonialsoldat hat die Büste Kaiser Wilhelms im Arm.
Der junge Mann vom Pachtgebiet Kiautschou hält die Reichsflagge in die Höhe.
Darunter auf dem reichsfarbenen Banner das Zitat des sogenannten Rütlischwures: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern"

Adressiert ist diese Karte an den Heuchelheimer Reinhold Kölsch, z.Z. in Schweinhof bei Neustadt a.d. Saale.

Von unserem total
verregneten Feste
sendet die besten Grüße
Albert Sprengel K Sprengel und Wilh. Vogt.


Die Grußkarte wurde uns von Luzie Taggesell, Heuchelheim zur Verfügung gestellt.

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