Artikel der Rubrik "Damals" / Der Hexenmeister und sein Haus

Aus Historisches Reichelsheim

Für den Stadtkurier 26. April 2024
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals":
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


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Reichelsheim

Hans Geis - Der Hexenmeister von Reichelsheim

Hans Geis als auch der Hexenmeister sind in Reichelsheim Begriffe, die jeder sicherlich schon einmal in irgendeinem Zusammenhang gehört hat.
Hans Geis war ein in Reichelsheim lebender Zimmermann. Was wir von ihm wissen ist, daß dieser Mann am 30. Oktober 1649 in der Laurentiuskirche zu Reichelsheim seine aus Nieder Florstadt stammende Frau Ottilia Steffan ehelichte. Das geht aus dem Copulationsprotokoll der hiesigen evangelischen Kirche hervor.
Mit ihr zusammen hatte er mindestens 8 Kinder, die alle hier in Reichelsheim getauft wurden.
Mehr ist bislang leider nicht bekannt. Weder wann und wo er geboren wurde, geschweige denn verstorben ist, noch wer seine Eltern waren.

Zur Bekanntheit des Hans Geis trug das Büchlein "Der Hexenmeister von Reichelsheim" bei.
Eine Erzählung, geschrieben von dem Reichelsheimer Karl Becker, veröffentlicht im Jahre 1925.
Karl Becker schildert in 9 Kapiteln die Ereignisse zur Zeit der Hexenverfolgung in Reichelsheim am Schicksal des Hans Geis.

Die in Reichelsheim überlieferten Hexenprozesse fanden in der Zeit vom November 1657 bis Februar 1658 statt. Hans Geis war zu dieser Zeit bereits verheiratet und mehrfacher Vater.

Wie Karl Becker in den Anmerkungen seines Büchleins erwähnt, stand er irgendwann vor dem Haus heutige Florstädter Straße 11 und entdeckte den noch teilweise von Mörtel verdeckten Querbalken, der wohl eine Inschrift enthielt. Er regte an diesen Balken freizulegen und zum Vorschein kam folgender Text:
1654 ◊ HANS GEIS ERBAVT VND ZIMERT DIESES SELBER ◊ ANNO ◊ ACH GOTT SEI DIESES JAHR MEIN HELFFER ◊

Nun, daraus ist wohl offensichtlich die Hauptfigur seiner Erzählung entstanden: Hans Geis war Existent. Er lebte zu dieser besagten Zeit und zimmerte sich selbst sein eigenes Haus.
Das sollte nun die Person sein, die seinem kleinen Heimatroman den sogenannten Roten Faden verlieh. Eine dramatische Liebesgeschichte mit gutem Ausgang.

Das Haus des Hans Geis stand dort 300 Jahre. Der damalige Eigentümer Karl Gerlach legte es in 1954 nieder und ersetzte es durch einen Neubau.

Den bis dahin immer noch sichtbaren Balken hatte man an das Wetteraumuseum in Friedberg abgegeben, wo dieser auch heute noch im Innenhof zu betrachten ist.

Die Aufnahme des Hans Geis Hauses - wohl kurz vor dem Abriss - wurde uns von Familie Gerlach, Reichelsheim zur Verfügung gestellt.


HansGeisHaus2.jpg