Artikel der Rubrik "Damals" / Blofeld in der Fuldischen Mark

Aus Historisches Reichelsheim

Für den Stadtkurier 07. Juni 2024
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals":
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
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Bildbeschreibung:

Blofeld in der Fuldischen Mark

Die sogenannte Fulder Mark bildete sich in einem Zeitraum von ca 100 Jahren, nämlich vom Ende des achten Jahrhunderts bis Ende des neunten Jahrhunderts, durch drei Hauptschenkungen der karolingischen Kaiser, Karl des Großen, Ludwig des Frommen und Karl des Dicken an das in 744 gegründete Kloster Fulda.

  1. Am Ende des achten Jahrhunderts schenkte Karl der Große besagtem Kloster unter Abt Baugulf (2. Abt des Kloster Fulda) den Ort Achazz, (Echzell) mit einem beachtlichen Stück Land. (umfasste die heutigen Gemarkungen Echzell, Gettenau, Bisses, Bingenheim, Blofeld, Leidhecken und Reichelsheim)
    Zur damaligen Zeit war Echzell wohl das einzige Dorf in dieser Gemarkung. Bingenheim bestand ausschließlich aus einer Burganlage, alle anderen heutigen Ortschaften waren - wenn überhaupt - als Hofgut existent und hatten keine eigene Gemarkung
  2. Um 790 fügte Karl der Große Dauernheim durch Schenkung dem Besitz des Klosters Fulda hinzu.

  3. Teils fielen oben genannte Orte an das karolingische Königshaus zurück. Woraufhin aus dem Jahr 817 eine Urkunde überliefert ist (allerdings unvollständig), daß Ludwig der Fromme im Tausch die Orte Echzell samt Bingenheim nebst Häusern und Höfen, Äckern, Weinbergen, Wäldern, Weiden, Wiesen u.s.f. dem Kloster Fulda zum "ewigen Eigenthume" von Neuem überlies. Laut Codex Eberhardi (Verzeichnis der Güter und Einkünfte des Klosters Fulda) ist von etwa 87 Bauernstellen und 187 Mansen (altes Flächenmaß) die Rede, was jedoch als zu hoch angegeben überliefert ist. Erst In einer gut erhaltenen Urkunde aus dem Jahre 852 sind die Namen der Güter, Flecken und Orte eindeutig zu lesen und zuzuordnen.

  4. Im Jahr 885 kamen weitere Besitzungen von Berstadt durch eine Schenkung Karl des Dicken unter dem achten Abt Sigehard an das Kloster Fulda.


All diese Schenkungen umfassten die unter 1-4 genannten Orte und die zugehörigen Gemarkungen - nicht aber den Wald. Der Wald blieb weiterhin dem königlichen Bannrecht vorbehalten.

(in der abgebildeten Skizze der Fuldischen Mark aus der Zeit um 900 sind die Grenzen von Berstadt, Echzell und Dauernheim an der gestrichelten Linie zu erkennen)

Orte wie Blafeld sind von Pfarrer Hoffmann zwar eingezeichnet, so gibt es aber bis in das 12. Jhdt. hinein keinerlei Hinweise für deren Existenz. Man geht davon aus, daß das rechts der Horloff gelegene Land größtenteils Waldfläche war. Die zu Echzell gehörige bewaldete Fläche dürfte gut zweifünftel der seinerzeitigen Fuldaer Mark ausgemacht haben.

Blofeld entstand demnach vermutlich erst am Ende des elften Jahrhunderts, möglicherweise erst nach Rodung und Urbarmachung einiger Waldflächen.

Blofeld wird außer im Güterverzeichnis des Klosters Fulda erstmals nach 1200 im Zusammenhang mit der Gerichtbarkeit zu Bingenheim und sehr viel später in einer Urkunde des Jahres 1388 im Mainzer Synodalregister als Filial von Dauernheim genannt.

1423 hatte Fulda die dem Kloster verbliebenen Anteile, darunter auch Blofeld, an Philipp von Nassau veräußert. Nicht ganz freiwillig verkauften die Nassauer Grafen in 1570 ihren Teil der Fuldischen Mark - mit Ausnahme von Reichelsheim - an die Landgrafschaft Hessen-Marburg. Der Wald war zu dieser Zeit Domanialgut. Erst 1847 wurde der bis dahin gemeinsam genutzte Markwald geteilt, um ihn in eigener Verwaltung von den beteiligten Gemeinden zu übernehmen und zu nutzen. Dauernheim, Bingenheim, Reichelsheim, Beienheim, Weckesheim, Heuchelheim, Leidhecken und Blofeld wurden mit Anteilen aus diesem Walde bedacht.


Quellen: Schriften des historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen sowie "Beschreibung des Gaues Wettereiba" von Dr. G. Landau, 1855 Skizze der Fuldischen Mark (geographische Situation im 9. Jahrhundert) angefertigt 1856 von Dr. theol. Chr. August Hoffmann, Kirchenrath und Pfarrer zu Echzell.

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