Artikel der Rubrik "Damals" / 1966 kamen die Telefonhäuschen

Aus Historisches Reichelsheim

Für den Stadtkurier 02. Februar 2024
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals":
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


Bildbeschreibung:

Immer wenn es in Reichelsheim etwas zu berichten oder zu dokumentieren gab war Willy Nohl, der 1. Vorsitzende des SPD Ortsvereines mit seiner Kamera nicht weit.

In den 1950er und 1960er Jahren wurde das seinerzeitige Neubaugebiet hinter dem Hainweg in Richtung Westen erschlossen und ausgebaut.
Was für jeden heute selbstverständlich ist, war zu dieser Zeit aber noch gar nicht so sehr verbreitet … auch nicht im alten Ortskern.

Die Rede ist vom Telefon - ein eigener Hausanschluß.
Wer zu Hause kein Telefon hatte und telefonieren wollte, war entweder auf die gute Laune und Freundlichkeit derer angewiesen, die ein Telefon besaßen oder man mußte zur Post.
Im Postgebäude gab es drei oder vier "Kabinen" für jedermanns Bedarf. Man ging zum Postschalter und teilte der Dame oder dem Herren hinter dem Tresen mit, daß man ein Gespräch in den Nah- oder Fernbereich benötige und dann bekam man eine Kabine zugewiesen.

Ab 1966 wurden in Reichelsheim öffentliche Fernsprechhäuschen errichtet - so die offizielle Bezeichnung der aus Stahlblech gefertigten, 1qm großen und wetterfesten Einrichtungen.
Im ganzen Land präsentierten sich diese Telefonzellen - wie sie im Volksmund benannt wurden - in einheitlichem postgelb (RAL 1005) meist an gut einsehbaren Orten und oft in Kombination mit einem Briefkasten, so daß man beides schon von weitem sehen konnte.

Das Telefonieren gehörte schon bald zum Alltag und erfreute sich immer größerer Beliebtheit.
Im Nahbereich konnte man für wenige Pfennige nahezu unbegrenzt telefonieren, was dazu führte, daß einzelne Zellen häufiger auch für längere Zeit besetzt waren.
Nicht selten traf man sich am Telefonhäuschen dann zum Plausch. Eine Person innen … mit Hörer in der Hand … und andere eben vor dem Telefonhäuschen.

Leider waren diese Telefonhäuschen auch allerlei Unmut ausgesetzt.
Manch einer wollte sich an dem Münzspeicher der Telefoneinheit zu schaffen machen, andere hatten ihre schlechte Laune an der Gerätschaft ausgelassen oder die Telefonzelle wurde zum Objekt eines sogenannten dummebube-Streiches auserkoren.

Mit den Jahren änderte sich das Aussehen dieser öffentlichen Telefone. Es änderte sich das Design, die Farbe, das Material und auch die Art und Weise, wie man bezahlen konnte.
Irgendwann, nachdem dann nahezu jeder Haushalt ein Telefon hatte und das Mobiltelefon aufkam, sind die öffentlichen Telefone wieder nach und nach verschwunden.
Zumindest bei uns auf dem Land.

Die Aufnahme wurde uns von Familie Dörfler, Reichelsheim zur Verfügung gestellt.


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