Artikel der Rubrik "Damals" / 1961- vier junge Damen auf der Hauptstraße

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Für den Stadtkurier 05. Juli 2024
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals":
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


Bildbeschreibung:

Beienheim

Ein Sonntag auf Beienheim`s Hauptstraße

Einen Bericht zu diesem Bild kann man aus verschiedenen Sichtweisen schreiben.
Fakt sind auf jeden Fall der genaue Ort, der Zeitpunkt der Fotografie und die Namen der vier hübschen jungen Beienheimerinnen.

Ein Historiker betrachtet es aus seinem Blickwinkel:
Aufnahmeort ist der nördliche Teil der damaligen Hauptstraße Richtung Osten in Beienheim.
Das Jahr 1961 hat mir eine der Damen verraten.
Erkennbar rechts der Wohnhausanschnitt mit Hoftor ist die Hausnummer 55 und links mit den beiden Steinpfosten vor der Eingangstreppe ist die Nummer 42. Hier befand sich bis Anfang der 1940er Jahre die Gaststätte Heinrich Stein und bis 1919 die erste Beienheimer Poststelle, welche dessen Vater August Stein betrieb.
Links weiterführend die Natursteinmauer zum Wohnhaus mit der Nr.44 - bis Ende 1938 unterhielt hier die jüdische Familie Josef Pollach als Kaufmann eine „Spezereihandlung“ (Gewürz). Laut Zeitzeugen gab es hier auch Süßigkeiten und Kurzwaren.
Der Abriss erfolgte im Frühjahr 1962 und es entstand ein neues Wohnhaus.
Auf dieser Straßenseite weiter das Haus, der Stall und die große Scheune des landwirtschaftlichen Anwesens von Friedrich Stein, später Tochter Linda mit Ehemann Walter Geck.
In der Mitte sieht man die alte Linde, welche stark geschädigt auch 1962 im Herbst durch eine Neupflanzung ersetzt wurde.
Auf der rechten Seite, dort wo der Bus parkt, blickt man auf die Gaststätte „Raabennest“. Sie hatte die Nummer 59 und das Haus bei welchem der Putz abfällt ist die Nummer 57 und war bis Ende der 1990er Jahre die Bäckerei „van Bashuisen“ dessen Ortsname „Basthaus“ war!
Hinten links weg von der Linde führte die Hauptstraße nur noch zu Gärten und weiter zu den nördlichen Äckern als Feldweg bis zur „Hohen Straße“.
Rechts ging es zum „Hottegarten“ und gerade aus führte ein schmaler Wiesenweg zum Sportplatz.

Der alltägliche Leser beschaut dieses Bild ganz anders.
Er betrachtet nur diese vier schicken Schönheiten - Ingrid Raab, Christa Bischoff, Marianne Sauerwein und Elke Bischoff - welche vom Sportplatz kommen und gerade ein siegreiches Heimspiel des SKV-Beienheim erleben durften.
Damit hatten sie sich nach dem Anfeuern und Bewundern der Balltreter dieses Eis verdient.
Wo ihr weiterer Weg hinführte und wie dieser Sonntag endete hat mir Keine verraten.
Sie ahnten auch nicht, dass diese Hauptstraße mal in Berliner Straße umbenannt und hinter der neuen Linde ein Kindergarten gebaut würde wo u.a. ihre Enkel noch heute betreut werden.


Beitrag und Recherche: Rainer Rosenbecker HGV Reichelsheim e.V. Arbeitskreis Beienheim
Das Bild wurde uns von Elke Ernst geb. Bischoff, Ockstadt zur Verfügung gestellt.


Bei 4 Frauen auf der Hauptstr 1961.jpg