1200 Jahre Reichelsheim in der Wetterau: Unterschied zwischen den Versionen

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Im Jahre 2017 feierte Reichelsheim 1200 Jahre
 
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Nun ... es geht hierbei um den Nachweis - und zwar um einen urkundlichen Nachweis - der die Existenz unseres Ortes belegt.
 
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Wir feiern das Jahr der ersten überlieferten urkundlichen Erwähnung.
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'''Wir feiern das Jahr der ersten überlieferten urkundlichen Erwähnung.'''
  
 
Man beruft sich in diesem Fall auf eine Urkunde, in welcher der Name Reichelsheim als Richolfesheim eher nur beiläufig erwähnt ist. Es geht - wie schon genannt - um die '''urkundliche Ersterwähnung''' unseres Fleckens.
 
Man beruft sich in diesem Fall auf eine Urkunde, in welcher der Name Reichelsheim als Richolfesheim eher nur beiläufig erwähnt ist. Es geht - wie schon genannt - um die '''urkundliche Ersterwähnung''' unseres Fleckens.
  
Wann Reichelsheim genau gegründet wurde oder besser: Wann Reichelsheim zu einer fränkischen Siedlung erhoben und darauf seinen Namen erhielt, das bleibt ungewiss.<br>
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Wann Reichelsheim gegründet wurde oder anders ausgedrückt: Wann Reichelsheim zu einer fränkischen Siedlung erhoben und darauf seinen Namen erhielt, das bleibt ungewiss.<br>
Wir wissen, daß die Wetterau wahrscheinlich im 6. und 7. Jahrhundert fester Bestandteil des Frankenreiches wurde und wahrscheinlich hatte man einem verdienten Franken unsere Ansiedlung zur Verwaltung und Nutzung gegeben.
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Wir wissen, daß die Wetterau im 6. und 7. Jahrhundert zum Frankenreiches gehörte und wahrscheinlich hatte man einem verdienten Franken hier ein Stück Land oder gar schon eine existierende Ansiedlung zur Verwaltung und Nutzung gegeben.
 
Es ist bekannt, daß die Franken den Namen ihrer Siedlungen die Endung „-weil“ oder„-heim“ anzuhängen pflegten und da Historiker, wie W. Jorns vom Bestehen eines „fränkischen Königshofes“ in Reichelsheim ausgehen, so haben wir durch diese Bezeichnung die Aussage darüber, daß einem „Richolf“ vom König der Franken dieser Siedlungsflecken zu Lehen gegeben worden sein müsste.
 
Es ist bekannt, daß die Franken den Namen ihrer Siedlungen die Endung „-weil“ oder„-heim“ anzuhängen pflegten und da Historiker, wie W. Jorns vom Bestehen eines „fränkischen Königshofes“ in Reichelsheim ausgehen, so haben wir durch diese Bezeichnung die Aussage darüber, daß einem „Richolf“ vom König der Franken dieser Siedlungsflecken zu Lehen gegeben worden sein müsste.
  

Version vom 20. Mai 2022, 15:43 Uhr

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Im Jahre 2017 feierte Reichelsheim 1200 Jahre

Wie müssen wir uns das nun vorstellen? Kamen vor 1200 Jahren die ersten Menschen hier an diesen Ort und haben angefangen zu siedeln - oder wie war das?
Aber waren nicht schon die Römer hier - der Limes verlief doch hier ganz in der Nähe?
Auch ist man in den vergangenen Jahren bei Bauarbeiten oder Grabungen immer wieder auf Funde gestoßen, die auf eine deutlich ältere Besiedelung dieser Gegend hinweisen.

Wenn also nicht damals der Grundstein zu unserem kleinen Städtchen gelegt wurde und es auch sonst keinen Grund gab im Jahr 817 das Zählen anzufangen - also was in Gottes Namen lässt uns 1200 Jahre Reichelsheim feiern?

Nun ... es geht hierbei um den Nachweis - und zwar um einen urkundlichen Nachweis - der die Existenz unseres Ortes belegt.

Wir feiern das Jahr der ersten überlieferten urkundlichen Erwähnung.

Man beruft sich in diesem Fall auf eine Urkunde, in welcher der Name Reichelsheim als Richolfesheim eher nur beiläufig erwähnt ist. Es geht - wie schon genannt - um die urkundliche Ersterwähnung unseres Fleckens.

Wann Reichelsheim gegründet wurde oder anders ausgedrückt: Wann Reichelsheim zu einer fränkischen Siedlung erhoben und darauf seinen Namen erhielt, das bleibt ungewiss.
Wir wissen, daß die Wetterau im 6. und 7. Jahrhundert zum Frankenreiches gehörte und wahrscheinlich hatte man einem verdienten Franken hier ein Stück Land oder gar schon eine existierende Ansiedlung zur Verwaltung und Nutzung gegeben. Es ist bekannt, daß die Franken den Namen ihrer Siedlungen die Endung „-weil“ oder„-heim“ anzuhängen pflegten und da Historiker, wie W. Jorns vom Bestehen eines „fränkischen Königshofes“ in Reichelsheim ausgehen, so haben wir durch diese Bezeichnung die Aussage darüber, daß einem „Richolf“ vom König der Franken dieser Siedlungsflecken zu Lehen gegeben worden sein müsste.


Zurück zum eigentlichen Punkt:

der Name „Richolfesheim“ taucht nach heutigem Stand erstmals im Jahre 817 in einer Urkunde auf. Es gibt zwar anders lautende Angaben zur ersten urkundlichen Nennung unseres Ortes - so geben manche Ouellenforscher Jahreszahlen an wie 718, 847 oder auch 852 aber man hat sich wie folgt auf das Jahr 817 geeinigt (Sachstand bis 2017):
Das Hessische Staatsarchiv Marburg teilte 1967 dem Magistrat der Stadt Reichelsheim folgendes mit: „Ein ansehnlicher Teil der ehemals sehr reichen Überlieferung der Reichsabtei Fulda ist im Laufe der Jahrhunderte seit der Reformation in Verlust geraten.“ Da also viele Urkunden heute nicht mehr existent sind, soll es bei 817 gemäß der schriftlichen Aufzeichnungen des Reichelsheimer Pfarrers Friedrich Frankenfeld bleiben, der sich 1849 als erster die Mühe machte, die alten Unterlagen über Reichelsheim zu durchleuchten. Er schrieb (s. S. 87 der Pfarrchronik): „Reichelsheim, früher Richolfesheim und Richolfheim genannt, soll im Jahre 817, wo Kaiser Ludwig der Fromme 187 Mansen (1 Manse umfaßte 30 Morgen Ackerland oder 1 Hube. Das Wort kommt von ,manere' und entspricht dem deutschen ,heim' = Hofstelle, Siedlungsstelle) in Bingenheim und „Echecila“ (Echzell) im Gau „Wettereiba“ (= Wetterau) gegen andere Güter an die Abtei Fulda vertauschte, auch unterjenen 187 Mansen mitbegriffen gewesen und also auch unter die Abtei Fulda gekommen sein.“ Pfarrer Frankenfeld schrieb weiter: „Gewiß ist es, daß es eine geraume Zeit dem Abt von Fulda gehörte und daß der Abt Hatto von Fulda im Jahre 852 „ad portam monasteru fuldensis“ oder zur Unterstützung der Armen viele Güter unter anderm auch in ,Echecila“ und in ,Richolfesheim“ verschenkte...“

siehe dazu auch den Artikel zur Entstehung der Fuldischen Mark


Link zum Archivdatenbankeintrag im Hessische Landesarchiv bezüglich der Urkunde aus dem Jahre 817


Nachtrag

2018 stellte der Archivar der Stadt Reichelsheim eine Anfrage an das Landesarchiv Darmstadt zur Klärung des Datums der Erstnennung aller Stadtteile insbesondere von Dorn Assenheim, bezüglich deren Durchführbarkeit der 700 Jahr-Feier im Jahre 2018. Darmstadt antwortete hierzu:


Dorn-Assenheim

Für die Ersterwähnung des heutigen Stadtteils Dorn-Assenheim (1. Februar 1972 zur Stadt Reichelsheim) wird in der Literatur – mit Mehrheitsmeinung, aber nicht unumstritten – eine Urkunde von 1273 März 20 herangezogen, mit der Konrad von Lisberg dem Friedberger Bürger Gottfried eine Gülte zu Lehnrecht verkauft (vgl. M. FOLTZ, Urkundenbuch der Stadt Friedberg, Bd. I, Marburg 1904, Nr. 58, S. 20). Dabei werden auch bonis suis sitis in Massinh(eim) erwähnt. Die entsprechende Originalurkunde wird im Bestand des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt unter der Signatur HStAD, A 3 Nr. 111/4 verwahrt, wobei die Vorprovenienz das Kloster Arnsburg war (vgl. Ludwig BAUR, Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau, Darmstadt 1851, Nr. 1218, S. 730). Zur regionalen Identifizierung: Zunächst ist festzustellen, dass Dorn-Assenheim noch zu Beginn des 14. Jahrhunderts als „Massenheim“ in den Quellen bezeichnet wurde. Demnach bezieht etwa die Publikation „Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen (Kr. Friedberg), Darmstadt 1895, S. 56 das „Massinheim“ von 1273 auf Dorn-Assenheim. Im Gegensatz dazu identifiziert M. FOLTZ als Bearbeiter der Friedberger Urkundenbuches das „Massinheim“ von 1273 mit „ssw. F[riedberg].“ (vgl. ebenda, S. 660). Hier ist wohl der Stadtteil Massenheim (Stadt Bad Vilbel) gemeint, denn Dorn-Assenheim liegt östlich von Friedberg. Gleichzeitig irrt FOLTZ jedoch, wenn er die Erwähnung von „Massinheim“ in einer Urkunde von 1318 Januar 21 ebenfalls regional mit „ssw. F[riedberg].“ (vgl. ebenda, S. 660) angibt. Wie die Urkunde von 1318 Januar 21 zeigt (vgl. dazu: S. A. WÜRDTWEIN, Dioecesis Moguntina, Bd. III, Mannheim 1777, S. 15 und M. FOLTZ, Urkundenbuch der Stadt Friedberg, Bd. I, Marburg 1904, Nr. 218, S. 94), ist hier durch die gleichzeitige Nennung von „Weckensheim“ und „Richelsheim“ (etwa: villam Massenheim iuxta viam versus Weckensheim) wohl eindeutig Dorn-Assenheim zu identifizieren. Insofern ist mit einer nicht geringen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch das „Massinheim“ in der Urkunde von 1273 auf Dorn-Assenheim bezogen werden kann, denn offenbar war sich FOLTZ über die hochmittelalterliche Schreibweise von Dorn-Assenheim als „Massinheim“ nicht bewusst. Somit kann nach aktuellem Kenntnisstand eine Ersterwähnung für 1273 März 20 angenommen werden. Im Übrigen ist darauf zu verweisen, dass Dorn-Assenheim in seiner heutigen Schreibweise bzw. Nennung erstmals in einer Urkunde von 1367 Oktober 21 zu belegen ist (vgl. M. FOLTZ, Urkundenbuch der Stadt Friedberg, Bd. I, Marburg 1904, Nr. 548, S. 252f.). Hier vermacht die Bürgerin Yrmendrut dem Kloster Arnsburg zu einem bestimmten Seelgerät Land zu dez dorffis zu Durrin Massinheim. Die entsprechende Originalurkunde befindet sich im Fürstlichen Archiv in Lich und ist zudem bei Ludwig BAUR, Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau, Darmstadt 1851, Nr. 959, S. 585 ediert.


Reichelsheim

Die Stadt Reichelsheim findet bereits zu Beginn des 9. Jahrhunderts eine Erwähnung im sogenannten „Codex Eberhardi“ des Klosters Fulda. Einschlägig ist hier ein undatiertes Güterverzeichnis, in dem ein Richolfesheim genannt wird (vgl. Heinrich MEYER ZU ERMGASSEN, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. II, Marburg 1996, S. 282, 148r). Da sich der Beleg jedoch nicht eindeutig datieren lässt (zur Datierungsfrage vgl. Traut WERNER-HASSELBACH, Die älteren Güterverzeichnisse der Reichsabtei Fulda, Marburg 1942, S. 42ff.), muss auf die sichere (datierbare) Ersterwähnung Bezug genommen werden. Insofern ist nach aktuellem Kenntnisstand die ebenfalls im Codex Eberhardi abschriftlich überlieferte Urkunde aus dem Jahr 852 (anno dominice incarnationis DCCC LII) heranzuziehen. Hier wird desgleichen ein Richolfesheim erwähnt (vgl. Heinrich MEYER ZU ERMGASSEN, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. II, Marburg 1996, S. 118, 76r). Diese Belegstelle wird von der Fachliteratur auch als eindeutige Ersterwähnung von Reichelsheim – sowohl zeitlich als auch regional identifizierbar – ausgewiesen (vgl. Klaus ANDRIEßEN, Siedlungsnamen in Hessen. Verbreitung und Entfaltung bis 1200, Marburg 1990, S. 115 und MEYER ZU ERMGASSEN, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. III, Marburg 2007, S. 321: „Richolfesheim: Reichelsheim ö. Bad Nauheim“).

Aufgrund dieser spezifischen Quellenlage und den damit verbundenen historischen Rahmenbedingungen erfüllen die Stadtteile Dorn-Assenheim und Reichelsheim die Voraussetzung, um sich auf eine im Jahr 2023 anstehende 750-jährige (Dorn-Assenheim) sowie eine im Jahr 2027 anstehende 1175-jährige (Reichelsheim) Ersterwähnung berufen zu können.


Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag

Gez. Dr. Lars Adler