Ortsteil Reichelsheim / Schulwesen

Aus Historisches Reichelsheim
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Zum Script --> "Schulen in Reichelsheim" Zusammengestellt von Hagen Behrens

Kurzübersicht:

Mädchenschule: 1542 Gründung einer Mädchenschule durch Pfarrer Stephani

(von Robert Block hatte ich ein Dokument aus dem Jahre 1808/9 gesehen: Bitte von Seiten des Mädchen Schulmeisters Johann Peter Wagenknecht zu Reichelsheim)

Lateinschule: 1560 Gründung einer Lateinschule durch Pfarrer Stephani, die weithin berühmt war.

A B C Buchstabier– und Lesebuch: 1777 wurde in den protestantischen Schulen der fürstlich Nassau-Weilburgischen Lande gegen den Widerstand der Bevölkerung das ABC-Buchstabier– und Lesebuch eingeführt. Man sah den christlichen Glauben gefährdet, da die Fibel nur wenig geistlichen Text (sprich Bibeltexte) beinhaltete. Es kam fast einem Volksaufstand gleich, welcher mit militärischer Gewalt niedergehalten wurde. Letzten Endes wurde die Einführung des Büchleins zurückgenommen.

Elementarschule: Die Schulaufsicht lag zu nassauer Zeiten in den Händen der kirchlichen und kommunalen Träger. 1817 führte Nassau die Simultanschulen ein (Bildungseinrichtungen, in denen Schüler unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit gemeinsamen Unterricht erhalten). Nach 1866 galt das preußische Schulgesetz (Die Stiehlschen Regulative).

Volksschule: 1866 - mit der Übernahme Reichelsheims durch Preußen kam dieses zu Hessen. Nun galt das preußische Schulgesetz und es wurde nach der hessischen Schulordnung unterrichtet. Die zwei alten Schulhäuschen auf dem südl. Teil des Kirchhofes mit Zugang von der Untergasse (heute Florstädter Straße) wurden aufgrund des "schlechten Zustandes" auf Abbruch versteigert und das Rathaus zum gemeindlichen Schulhaus umgebaut. Das Haus wurde bis auf den unteren Teil abgetragen und ein neuer Bau aufgesetzt. Auch das Türmchen wurde neu aufgeführt und mit einem Wetterfähnchen so wie einem von dem Schmied Siegfried Vogt gestifteten Glöckchen versehen (s. Kirchenbuch S 222 f). Das Glöckchen mußte übrigens 1917 (1. Weltkrieg) zusammen mit der mittleren Kirchenglocke abgegeben werden und wurde eingeschmolzen.
Im Zuge von Bismarcks "Kulturkampf" wurde mit dem Schulaufsichtsgesetz vom 11. März 1872 den Kirchen das Recht der Schulaufsicht genommen und allein dem Staat unterstellt.

In der Regierungszeit der Weimarer Republik wurde 1920 durch das Reichsgrundschulgesetz die Grundschule eingeführt, die für alle Schüler verbindlich war.
„Die Volksschule ist in den vier untersten Jahrgängen als die für alle gemeinsame Grundschule, auf der sich auch das mittlere und höhere Schulwesen aufbaut, einzurichten.“

Artikel 145
Es besteht allgemeine Schulpflicht. Ihrer Erfüllung dient grundsätzlich die Volksschule mit mindestens acht Schuljahren und die anschließende Fortbildungsschule bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahre. Der Unterricht und die Lernmittel in den Volksschulen und Fortbildungsschulen sind unentgeltlich.

Wer die Volksschule nach den ersten vier Jahren nicht verließ, erhielt nach acht Jahren den Volksschulabschluss. Höhere Schulen, wie in Reichelsheim die "Höhere Bürgerschule", die als Vorbereitung für den Wechsel in mittlere und höhere Lehranstalten vorbereitete, War vornehmlich Kindern aus wohlhabenderen Familien vorbehalten.

1941 hatte man den Schuljahresbeginn im ganzen Deutschen Reich auf September festgelegt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde diese Regelung von der Besatzungsmacht in der Britischen Zone wieder rückgängig gemacht und Schuljahresbeginn war nun, wie schon vor 1941 wieder nach Ostern. Außer in Bayern (Amerikanische Besatzungszone) wurde das auch in allen übrigen Ländern der westlichen Besatzungszonen von deren Kultusministern im August 1948 einstimmig beschlossen.

Die Schule im alten Rathaus wurde allerdings zum Ende des 2. Weltkrieges schon etwas eng. Reichelsheim mußte ca. 600 Ausgebombte, Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufnehmen - darunter eine Vielzahl schulpflichtiger Mädchen und Jungen. Betroffene erzählten, daß der Unterricht gestaffelt - auch an den Nachmittagen - gehalten werden mußte und nur Stundenweise stattfand, damit alle Schüler unterrichtet werden konnten. Auch ist man auf andere Räumlichkeiten, wie z.B. den Gasthof zur Post ausgewichen. Dort waren im Saal 2 Klassen untergebracht. Der Zugang erfolgte durch den Hof von hinten über eine eiserne Außentreppe. Auch der unterste Stock im linken Teil des Lehrerwohnhauses wurde umgebaut und man hatte dort einen Klassenraum eingerichtet. Die Situation entspannte sich mit der Einweihung der neuen Schule 1956.

Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 (ohne Sowjetische Besatzungszone, SBZ) wurde das Vorkriegsmodell aus Volksschule, Mittelschule und Höherer Schule in Westdeutschland wieder flächendeckend eingeführt. Dieser Liberalisierungsprozess dauerte bis zum Beginn der 1970er Jahre. 1951 wurde das sogenannte "Hamburger Abkommen" umgesetzt und die Schulpflicht auf neun Jahre verlängert.

Grundschule 1956: In 1956 wurde die "neue" moderne vierklassige Grundschule mit Schüler- und Gemeindebad auf dem Gelände des ehemaligen Schulgartens im direkten Umfeld des Lehrerwohnhauses eingeweiht. (siehe gesonderten Artikel - hier) 1964 wurde dann endlich beschlossen, das Schuljahr wie in Bayern und den europäischen Nachbarländern am 1. August beginnen zu lassen. Zur Umstellung wurden zwei Kurzschuljahre durchgeführt, vom 1. April bis 30. November 1966 und vom 1. Dezember 1966 bis 31. Juli 1967. Aus der Volksschule wurde die Grundschule für die Kleinen (1. bis 4. Klasse) und die Hauptschule für die Großen (5. bis 9. Klasse). Aus der Mittelschule wurde die Realschule. Aus der Naturlehre wurde Physik und aus der Naturkunde Biologie. Der autoritäre Unterrichtsstil, für etliche Jungs noch verbunden mit Kopfnüssen, Ohrfeigen oder an-den-Ohren-Ziehens, (übrigens wurden auch die Mädels nicht geschont) wurde im Laufe der 60er Jahre nach und nach abgeschafft.

Die Grundschule im Ried (seit 1992): siehe PDF

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