Ortsteil Reichelsheim

Aus Historisches Reichelsheim
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Man vermutet, daß ein fränkischer Siedler namens Richolf der Begründer von "Richolfesheim" gewesen sein soll – unter diesem Namen wird der Ort 817 urkundlich erwähnt. Es gibt zwar Angaben zu einer früheren Erwähnung unseres Ortes, jedoch sind keine Urkunden aus dieser Zeit überliefert. Urkundlich belegt ist, daß im Jahre 817 Kaiser Ludwig der Fromme 187 Mansen in der Wettereiba an die Abtei Fulda vertauschte - darunter auch Richolfesheim. Damit war Reichelsheim einer von 11 Ortschaften in der sogenannten "Fuldischen Mark".

Im Jahre 852 wird erstmalig eine Hälfte von Reichelsheim an die Herren von Münzenberg, dem seinerzeit mächtigsten Rittergeschlecht in der Wetterau belehnt, woraufhin dieses Jahr von einigen Ouellenforschern als das eigentliche „Geburtsjahr“ von Reichelsheim betrachtet wurde.

Jahrhunderte der Geschichte von Reichelsheim liegen seit dem im Dunkeln. Erst aus dem Jahre 1388 wird berichtet, daß die Herren von Falkenstein (in Erbfolge der Herren von Münzenberg) die Hälfte des Dorfes zum Lehen von Fulda erhielten. Der letzte Falkensteiner vertauschte diese Hälfte 1416 an den Grafen Philipp den ersten von Nassau Weilburg (Walramsche Linie). Bereits 1 Jahr später übergab die Abtei Fulda diesem auch die noch in ihrem Besitz befindliche andere Hälfte und Vogtei Reichelsheim zu Lehen. Dieses Lehen ging 1423 durch Kauf an Nassau. Unter nassauischer Regierung wurde Reichelsheim im 15. Jahrhundert mit einer Befestigungsanlage umgeben: Mauern, Wallgräben und Wehrtürme sollten die Bürger vor äußeren Angriffen schützen. Reste der Stadtmauer, das westliche Stadttor und vier der ursprünglich sieben Wehrtürme sind heute noch erhalten. In 1567 wurde das Amt Reichelsheim errichtet, welches vorher dem Amt Bingenheim angehörte.

1570 verkauften die Nassauer die Fuldische Mark mit Ausnahme von Reichelsheim an den Landesfürsten von Hessen-Darmstadt Ludwig IV. Reichelsheim war von nun an in seinen Grenzen von hessischem Land umgeben. Damit ist der Flecken Reichelsheim eigenständiges Amt der Grafschaft Nassau-Weilburg, zu dem aufgrund seiner geografischen Lage keine weiteren Orte angehören als Reichelsheim selbst. Im gleichen Jahr wurde mit dem Bau des heutigen "historischen Rathauses" begonnen.

Für Reichelsheim brechen dann wohl die schlimmsten Zeiten seiner Geschichte an. 1582 wütet zum ersten Mal die Pest. 1618 beginnt der 30-jährige Krieg. Dazwischen wütete 1627 wiederum die Pest. Ihr fielen bis Anfang 1628, 187 Einwohner zum Opfer. 1635 - 1640 wurde es von den Weimarschen Truppen mehrmals geplündert und gebrandschatzt. 1637 wurden die Grafen von Nassau durch einen Beschluß des Reichskammergerichtes all ihrer Besitzungen, so auch von Reichelsheim, für verlustigt erklärt. Sie wurden ihnen jedoch im Westfälischen Frieden 1648 wieder zurückgegeben. Während dieser Zeit kam es kriegsbedingt zu mehreren Besitzveränderungen. Auch die Zeit der Hexenprozesse hat in Reichelsheim ihre Spuren hinterlassen. 1658 werden erste Untersuchungen wegen Hexerei durchgeführt, danach sollen 58 Einwohner hingerichtet worden sein.

Nach all dieser schrecklichen Jahre hat Reichelsheim aufgrund ihrer Ersuche im Jahre 1665 durch den Grafen Friedrich von Nassau die Stadtrechte erhalten - die Einwohner wurden als freie Bürger erklärt. Das Stadtwappen führt die nassauischen Farben blau-orange. Im selben Jahr wird von einem großen Unglück berichtet: Im südlichen Teil des Ortes breitet sich ein Feuer aus und setzt 68 Gebäude in Brand. Daraus resultiert die völlige Umgestaltung eines Straßenzuges - die "Neugasse".

1668 ergeht das Privileg Königs Leopold I., an 3 Tagen im Jahr einen großen Jahrmarkt abzuhalten. Das Rathaus diente dieser Zeit als Kaufhalle. Eine Nassauer Elle (Längenmaß) ist noch sehr gut erhalten an der westlichen Außenwand angebracht.

1740 verkaufte Karl August, Fürst zu Nassau-Weilburg (1719 - 1753), dem Fürsten Heinrich zu Schwarzburg-Sondershausen für 30.000 Reichstaler Reichelsheim auf Lebenszeit. Fürst Heinrich starb 1758 und wurde in der Sakristei der Reichelsheimer Kirche beigesetzt.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 wurde Dorn-Assenheim durch Säkularisation dem Fürstentum Nassau-Weilburg zugesprochen und dem Amt Reichelsheim zugeordnet. Von nun an umfasste das Amt Reichelsheim den Flecken Reichelsheim mit einer Mühle und das Dorf Dorn-Assenheim.

Im Jahr 1806 schloss sich Nassau-Weilburg mit Nassau-Usingen zum Herzogtum Nassau zusammen und trat als solches dem Rheinbund bei. Bereits 1813 begann der Rheinbund allmählich auseinanderzubrechen, woraufhin sich das Herzogtum vertraglich mit Österreich bündete. 1814 trat im Herzogtum erstmalig eine Verfassung in Kraft.

1844 erhält das nassauische Reichelsheim eine Postexpedition mitsamt einer Posthalterey im Dienste der privaten Thurn-und-Taxis-Post. Die Märzrevolution von 1848 brachte wenig Veränderungen für Reichelsheim. Verwaltung und Rechtsprechung wurden auf unterer Ebene getrennt und neu geordnet - das Amt Reichelsheim wurde zum Kreisamt Reichelsheim. Bedingt durch seine Lage außerhalb des eigentlichen Herzogtums änderte sich für Reichelsheim jedoch eher nichts. Die Reform wurde bereits 1854 wieder rückgängig gemacht, die Kreise wieder abgeschafft und die vorigen Ämter wiederhergestellt.

Infolge des Deutschen Krieges im Jahre 1866 wurde das Amt Reichelsheim aufgelöst und verlor seine Eigenständigkeit als auch die Gerichtsbarkeit. Rhm wurde in das Großherzogtum-Hessen eingegliedert. Verwaltung und Rechtsprechung gingen an den Landkreis Friedberg über. Die Posteinrichtung fiel an den preußischen Staat. Einige Jahre verschwindet der "Nassauische Löwe" im Reichelsheimer Stadtwappen. 1868 werden die von Preußen annektierten Staaten - so auch Teile des Großherzogtums Hessens und das Kurfürstentum Hessen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau zusammengefasst. Reichelsheim verbleibt im Großherzogtum-Hessen.

1897 erhält Reichelsheim Bahnanschluß an der Eisenbahnlinie Friedberg - Nidda.

1909 starten die Bauarbeiten am Inheidener Wasserwerk, an das auch Reichelsheim angeschlossen werden soll und das dafür notwendige Wasserleitungssystem herzustellen beginnt.

1911 entsteht das Wölfersheimer Elektrizitätskraftwerk, für das die Gemeinden vertraglich zur Stromabnahme verpflichtet werden. Laut Pfarrchronik erleuchtete am 11. Juli 1913 das erste mal elektrisches Licht die Hauptstraßen in Reichelsheim.

1920 ist Reichelsheim weitestgehend an das Stromnetz angeschlossen, hat eine Wasserleitung und ist kanalisiert.

1937 wird Reichelsheim nach einem Erlaß des Reichsstadthalters nicht mehr unter den Gemeinden aufgeführt die berechtigt sind die Benennung Stadt nach §9 der DGO (Deutsche Gemeindeordnung) von 1935 zu führen. Lediglich die unveränderten gusseisernen Ortstafeln aus der Zeit der Jahrhundertwende bezeichnen Reichelsheim als Stadt. Das bleibt so, bis sich 1960 Bürgermeister Nohl bei der Landesregierung auf die historisch begründeten Stadtrechte beruft. Im Juli 1960 erhält Reichelsheim wieder das Recht auf die Bezeichnung Stadt.

Das Land Hessen in seiner heutigen Gestalt wurde am 19. September 1945 von dem amerikanischen Oberbefehlshaber in Europa, General Dwight D. Eisenhower ins Leben gerufen. Die Selbständigkeit des Städtchens Reichelsheims endet mit der Gebietsreform in 1972. Die 6 Orte Beienheim, Blofeld, Dorn-Assenheim, Heuchelheim, Reichelsheim und Weckesheim bilden die "Gesamtstadt Reichelseim/Wetterau". Die neugegründete Gesamtstadt Reichelsheim erhält Stadtrechte im Sinne der Hessischen Gemeindeordnung und ein gemeinsames Stadtwappen.

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