Ortsteil Beienheim / Kirche / Kirchenarchivalien: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Historisches Reichelsheim
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Die hiesige an sich schon gar schlechte Pfarr,- Gebäu<br>
 
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de, sind durch ihr graues Alter, welches niemand<br>
 
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daß solche nicht ohne besorgliche Lebensgefahr<br>
 
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Aktuelle Version vom 4. November 2019, 19:40 Uhr

Bittbrief des Pfarrers Christian Aegidius Eigenbrodt an die Landesfürsten und -Grafen um einen Zuschuss für den Bau einer neuen Kirche zu Beienheim

Bittbrief an das Haus Solms

Der Beienheimer Johannnes Stauby, der mit einem Sammelpatent von Pfarrer Eigenbrodt ausgestattet war, reiste durch Deutschland um Geld für den Kirchenneubau zu sammeln.
Ein Dokument aus dem Solmischen Archiv zeigt, der Pfarrer Eigenbrodt versuchte auch vom Adel Geld für den Beienheimer Kirchenneubau locker zu machen. Er ging die Sache sehr pragmatisch an.

Aus diesen Bittbrief kann man vieles herauslesen !!!!

Beienheim war 1800 ein Bitterarmes Dorf! Der größte Landanteil gehörte dem Adel und verschiedenen Klöstern.
In dem Bittbrief an die Solmser hat Pfarrer Eigenbrodt aufgeführt, das Beienheim nur eine Größe von 62 Hufen Landes habe. Von diesen seien aber nur 18 Hufen „Eigen“. Im heutigen Flächenmaß ha hatte und hat die Gemarkung und Dorf Beienheim ca. 380 ha, minus ca. 270 ha. Landbesitz des Adels und der Klöster. Es verblieben für die Kleinbauern und wenigen Bauern eine Fläche von ca. 110 ha. Übrig. Diese Äcker waren durch die jahrhundertelange Dreifelderwirtschaft und durch den geringen Viehbestand total an Nährstoffen ausgelaugt. Dies verbesserte sich später durch den Anstieg der Viehhaltung. Viele Beienheimer Familien hatten vom Adel und den Klöstern Land gepachtet um ihre Existenz zu sichern.
Vom Dorfherren dem Freiherrn Rau von Holzhausen konnte Pfarrer Eigenbrodt keine große finanzielle Hilfe erwarten, dieser hatte am 31.10.1783 in Wien seine Zahlungunfähigkeit erklärt. Einen Konkursantrag hatte er gestellt.
Bedingt durch den napoleonischen Krieg, in dem ganz Europa mit verwickelt war, mussten auch die Beienheimer Einwohner Spanndienste, Lebensmittel- und Futtermittellieferungen erbringen. Durch diesen Krieg kam das alte Machtgefüge in Europa ins Wanken. Mit dem Reichsdeputations Hauptausschluss wurde 1803 die „Flurbereinigung“ Napoleon`s für ganz Europa besiegelt.
Der Adel musste seine linksrheinischen Besitzungen abtreten und wurde mit rechtsrheinischen Besitzungen der Klöster entschädigt. Durch diese Maßnahme kamen die „Solmser“ in den Besitz der von Pfarrer Eigenbrodt erwähnten 13 Hufen Land in der Beienheimer Gemarkung, dies sind ca. 80 ha.(1Hufe ca. 6.0 ha.). Wie Pfarrer Eigenbrodt in seinem Brief argumentiert, ist die „hiesige arme Gemeinde“ Beienheim, durch die Kriegslasten so verschuldet, daß sie einen Kirchenneubau finanziell nicht stemmen könne. Er appellierte „Unterthänigst“ an das Haus Solms eine freiwillige „Beisteuer“ zu spenden. Als Argument führte er die 13 Hufen Land auf, die das Haus Solms ohne etwas von den Kriegslasten übernommen zu haben „Eigenthümlich“ (= in Eigentum) bekommen habe.

Geschichtliches über die Beienheimer Kirche kann man in „Eine kleine Geschichte unserer Kirche" finden!
Herausgegeben von der ev. Krchengemeine Beienheim

Diese kleine Interpretation des Bittbriefes wurde von Ottmar Hachenburger angefertigt




Transcription von Ottmar Hachenburger vom 07.09.2019

Seite 1
Bei Bittbrief 1804 S1.jpg

Unterthänigstes Memoriale und Bitten Die Durchlauchtigsten Fürsten und
Erlauchtesten Reichsgrafen
Regierende Herrn, Herrn zu Solms,

des
Pfarrers Christian Aegidius Eigenbrodts,
zu Beyenheim Ritterschaftlichen Gebiets.

Seite 2
Bei Bittbrief 1804 S2.jpg

Durchlauchtigste Fürsten und
Und Erlauchteste Reichsgrafen
Gnädigste Fürsten, Reichsgrafen
Und Herrn, Herrn  !

Die hiesige an sich schon gar schlechte Pfarr,- Gebäu
de, sind durch ihr graues Alter, welches niemand
bestimmen kann, nun dergestalten baufällig geworden,
daß solche nicht ohne besorgliche Lebensgefahr
bewohnet werden mögen. Die Baulichkeiten dieser
Gebäude, sind Obliegenheiten hiesiger, an sich so
enge begrenzten Gemeinde, daß deren Umfang und
aus 62 Hufen Landes bestehet , wovon nur etwa 18
Hufen Eigen, diese aber auch durch den vorgewesenen
verwüstenden Krieg

Seite 3  
Bei Bittbrief 1804 S3.jpg

Krieg so verschuldet sind, daß bei Ermangelung gemeinschaft-
licher Einkünfte , die Zinsen größtentheil und jährlich aus
eigenen Mitteln bestritten werden müssen; bei welchen
trüben Aussichten keine Schulden-Abtragungen sich den-
ken, auch kein Mittel zur Unterhaltung allgemeiner
Baulichkeiten sich finden lässet. Nun sind auch durch
den ganzen Krieg, alle Verpflegungen, Contributationen
und Lieferungen , ohne Rücksicht auf den ganzen
Umfang hießiger Termeney angemessen, aber auch
von auswärtigen klösterlich Grundherren, wegen ver-
mutheter und nun durch Entschädigungen eingetre-
tener Veränderungen, von Zeit zu Zeit verschoben
worden, wodurch im anderen Fall die Gemeindsbür-
den um ein ziemliches leichtes wiegen würden, zu-
mal da hießigen arme Gemeinde ausser allen
Verbindungen mit geschlossenen großen Reichs-
landen sich befindet, von deren hohen Häuptern
sie zur Zeit der Wert eine thätige Vorsehung
erwarten dürfte.
Euern hochfürstlichen Durchlauchten und Erlauch-
testen, sind nun durch die Entschädigungen
13 Hufen Landes in hiesiger Termeney, die zu
keiner

Seite 4
Bei Bittbrief 1804 S4.jpg

keiner Krieglasten Concurrenz gezogen worden, Eigen-
thümlich geworden; da aber auch in dieser Meiner
und meiner Zuhörer traurigen, Lage , unter welchen
Höchst-Deroselben Pächter den größten Theil aus-
machen, den höchsten und stärksten Guthsbesitzer ; so
stehe mir jetzt zu Höchst-Derselben Preiswü-
digen, Milde und Gnade, nur der einzige Weg
offen, diese ganz unterthänigste Bitte in tiefesten
Respecte zu Füssen legen zu dürfen, welche unter-
thänigst und Hoffnungsvoll dahin siehet, daß Höchst-
Dieselben, zur Fortdauer des hiesigen Lehramtes,
welches sich ohnehin schon nach denen eingetretenen
Verhältnissen noch besonders verpflichtet hält, für
das höchste Wohl Eurer Hochfürstlichen und
Erlauchtesten hohen Häußern Gott anzuflehen,
gnädigst geruhen möchten, zur dauerhaften
Ausbesserung , derer hiesigen Pfarr- Gebäuden
aus höchster Gemeinschaft eine freywillige
gnädigste Beisteuer verwilligen, damit,
wenn auch der Verfall dadurch nicht ganz ge-
hoben, doch auch die größte und gefährlichste Gebrechen
geheilet, und die Gebäude vor dem Einsturz ge-
sichert,

Seite 5
Bei Bittbrief 1804 S5.jpg

sichert werden möchten. Ich und alle Lehrer
nach mir, samt meinen Zuhörern, werden diese
Preißwürdige Gnade und Huld nie vergessen
und dagegen, in Hofnung einer gnädigsten
Erhörung in dem tiefesten Respect ersterben.

Eure Hochfürstlichen Durchlauchten und
Erlauchtesten Reichsgrafen p.p.

Beyenheim am11ten Juli
1804

Ganz unterthänigster
Christ. Aegid. Eigenbrodt
Pfarrer und Vorbitter bei Gott