Ortsteil Beienheim / Der HAIN um Beienheim

Aus Historisches Reichelsheim
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zusammengestellt von Ottmar Hachenburger (2019)

Allgemeines zum Hain

Der Begriff stammt aus dem mittelhochdeutschen Wort „hägen“ und bedeutet soviel wie Hecke, Gehölz, Einfriedung. Zur Zeit des Mittelalters begrenzte der Hain das Rechtsgebiet der umfriedeten Siedlung, was für das Dorf bedeutete, daß z.B bei Mord keine Blutrache geduldet wurde. Jegliche Verbrechen wurden an bestimmten Gerichtsorten in Anwesenheit des Dorfadels verhandelt.
Eines der bekanntesten und wichtigsten Gerichtsorte war die „MALSTATT“ zwischen Bauernheim und Assenheim gelegen, dort wurde dreimal im Jahr „Recht gesprochen“. Später ging die Gerichtbarkeit an den niederen Adel über, in Beienheim waren dies die Waisen von Fauerbach. In der Beienheimer Gemarkung gab es 1518 noch die Bezeichnung „by dem Galgen“, vielleicht noch ein Überbleibsel der freien Gerichtsbarkeit des freien Reichsdorfes Beienheim.

Der HAIN um Beienheim

Durch seine Lage in der flachen Wetterau hatte Beienheim strategische Nachteile, bis auf die Ostseite war die Umgebung ziemlich eben. Von Westen, Süden und Norden ist der HAIN auch mit einem Graben belegt. Im Bereich des Judenfriedhofs und den Wüsten Gärten ist in östlicher Richtung ein kleiner Höhenunterschied heute noch erkennbar. Ob der HAIN auch hier mit einem vorgelagerten Graben gesichert war ist nicht bekannt. Wenn ich die Pläne vom Geometer Wiesenbach richtig deute waren in Beienheim zwei Ein b.z.w. Ausgänge in Gebrauch. Der südliche befand an der Ecke von Fam. Reuss/Wagner und Familie Barth. Das Haus Familie Schönwolf auf der rechten Seite und Die Häuser Raab/Fleischhauer, Schleuning/Hachen –burger und Müller auf der linken Seite, befanden sich schon außerhalb des HAIN. Die Schmiede der Familie Raab war bestimmt aus feuertechnischen Gründen(Strohdächer) dem HAIN vorgelagert. Die anderen, weil innerhalb des Dorfes kein Platz mehr war. Die nördliche Pforte befand sich an der Ecke Stein/Geck und Drullmann/Lemp. Ausser diesen Ein und Ausgängen durfte man keine anderen Wege benutzen. Wie die Pforten gesichert wurden ist nicht bekannt, es kann ein einfacher Schlagbaum oder ein verschließbares Holztor gewesen sein. Über die Bepflanzung des HAIN`S konnte ich in Wikipedia nichts finden, ich vermute aber eine Gehölz und Baumhecke aus verschieden Dörnern wie Weiß und Schwarzdorn, Hainbuchen, Haselsträuchern und in unregelmässigen Abständen auch mal einen Baum. Dies alles wurde zu einem undurchdring- lichen Geflecht verwoben in der Art eines Gebück (Siehe Wikipedia). Vor wilden Tieren und „allerleih Gesindel“ bot der HAIN einen gewissen Schutz. Feindlich gesinnte Soldaten hielt er nicht ab um Beienheim heimzusuchen. Der Keller des Freiherrn und der Bürgermeister werden auf den Zustand des HAIN`S geachtet haben und gegebenenfalls zu dicke Bäume als Brennmaterial an die Bürger abgeben haben. Bei der Wiesenbach Karte von 1842 kann man sehr schön die Haus und Hof- Gärten zwischen HAIN und den Höfen erkennen. Die größeren Pflanzstücker waren vor dem HAIN. Im Südosten „Hinter den Gärten“ und im Südwesten „Im Sauacker“. Heute alles bebaut „Hinter den Gärten/Weckesheimerstr.“ Und „Parkstraße/Ecke Dorheimerstrasse

Im nordöstlichen Bereich des HAIN waren, innerhalb die Obst und Gemüsegärten und Ausserhalb die Pflanzfelder. Durch die nördliche Pforte werden die Viehhirten die Tiere in Unterwiesen, das Ried und in die Feldgemarkung getrieben haben. Südlich vom Dorf , heute der Bereich „Hinter den Gärten“ wie der Name auch sagt auch Pflanzgärten. Der Bereich Parkstrasse hieß früher Sauacker, hier kann ich mir kleine Ackerparzellen vorstellen zum Kartoffel, Futterrüben und Futterbau vorstellen. Der vom HAIN umgebene Teil von Beienheim war für Jahrhunderte die ursprüngliche Grösse des Dorfes, welches aber nach innen immer Verdichtet wurde. Die Reste des HAIN`S wurden 1898 geschleift - sprich in den Zeiten der Flurneuordnung abgeräumt, aufgefüllt, begradigt und an Ortsbürger verkauft"





Quellen= Wiktionary, Lagis, Stadtarchiv Reichelsheim