Horloff

Aus Historisches Reichelsheim
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Horloff hat im Laufe der Jahrhunderte mehrfach anders lautende Namen und Bezeichnungen erhalten. So ist gleich auf Seite 4 in "Beschreibung des Gaues Wettereiba" von Dr. Georg Landau aus dem Jahre 1855 eine Aufzählung von Namen aus verschiedenen Quellen und Jahren aufgelistet:

  • Hornaffa in 790
  • Hurnufa in 951
  • Hornipha in 1183
  • Hurlyphe in 1263
  • und Hurlefe in 1306

In Deutschlands Lexicon aller Ströme und Flüsse aus dem Jahre 1748 ist dieses Gewässer als die Harlos bezeichnet. Dieser Namen findet sich auch auf mehreren Karten der Wetteravia aus den Jahren 1646 bis 1730 wieder (abgerufen von www.zvab.com). Im Geometrischen Plan des Fleckens Reichelsheim von 1761 wurde als Bezeichnung "Holloffbach" geschrieben - Holloff ohne r. Andere Karten und Handrisse wie z.B. die "Neue Special Karte der Wetterau" von Johann Jacob Müller, Hanau aus dem Jahre 1795 verwendet den Namen Horlof mit einem f. Oft findet man auch die Bezeichnung "Horlof Fluss" oder abgekürzt "Horlof Fl".


zitiert aus Heft Nr. 3 Seite 17ff von Albert Nohl

Die Horloff kommt aus dem Vogelsberg von der Feldkrücker Höhe. Sie fließt in der Hauptrichtung nach Süden und mündet bei Florstadt in die Nidda. Schon ab Hungen tritt sie in die Ostebene der Wetterau ein. Dann fließt sie langsam und träge dahin. Ihr Wasser ist hell und klar, ihr Lauf sehr gewunden...

Da die Horloff in der Vergangenheit mehrfach umgeleitet, begradigt und wieder renaturiert wurde, kann man sich - was deren Verlauf und Beschreibung angeht - nur auf vorhandenes Kartenmaterial und Erzählungen stützen. Für die Reichelsheimer Gemarkung liegen aussagekräftige Karten vor aus den Jahren 1774, 1761, 1851, 1877, 1893, 1906 und neuer. Das Erscheinungsdatum der Karte und der tatsächliche Zustand zu dieser Zeit können durchaus voneinander abweichen. Deutlich zu sehen ist das an der Karte des Deutschen Reiches Nr. 486 aus dem Jahre 1906 oder der Manöverkarte der Herbstübungen des XVIII Armeekorps von 1913. Wir wissen, daß die Horloff nach der beschlossenen Feldbereinigung von 1894 in den darauf folgenden Jahren extrem verändert wurde - diese Veränderung aber in diesen Karten noch nicht berücksichtigt waren. Vor dieser Flurbereinigung floss die Horloff von Gettenau kommend fast senkrecht zur Bingenheimer Mühle und knickte dort im rechten Winkel nach Westen weg, bis sie an die Reichelsheimer Gemarkungsgrenze gelangt. Von dort aus ändert sich ihre Richtung wieder südwärts bis auf halbe Höhe des alten Ortskernes. An der sogenannten Gäulsfurt macht sie wieder einen starken Knick Richtung Leidhecken, um sich dann im großen Bogen schlängelnd durch die Feuchtwiesen zu winden. Das letzte Stück fließt sie wieder fast senkrecht nach Süden. Auf Florstädter Gebiet biegt sie schließlich 45° nach Westen ab und vereinigt sich erst mit dem Flutbach und dann wenige Meter später mit der Nidda.

Innerhalb der Reichelsheimer Gemarkung gab es mehrere Seitenarme, die die Horloff unter anderem mit dem Reichelsheimer "Grenzebach" entlang eines Teils des Landwehrgrabens verbanden. Der Ort Reichelsheim war zumindest im Norden (Wäschbachgraben) und im Westen (Haingraben) mit einem Wassergraben umgeben, der mit der Horloff verbunden war. Laut Albert Nohl führten diese Gräben schon deutlich vor der o.g. Horloffbegradigung kein Wasser mehr, doch waren sie als Graben noch vorhanden.

zitiert aus Heft Nr. 5 Seite 4ff von Albert Nohl

Das Gesicht von Reichelsheim wird von der Horloff geprägt. Sie kommt als schmaler Bergbach aus dem wasserreichen Vogelsberg von der Feldkrücker Höhe und fließt dann gemächlich dahinströmend, etwa bei Hungen in die weite fruchtbare Ebene der Wetterau ein, um bei Oberflorstadt in die Nidda zu münden. In ihrem Unterlauf hat die Horloff sehr wenig Gefälle. Dann sammeln sich im Frühjahr die Schmelzwasser des Vogelsberges reichlich im Unterlauf des Baches. Diese können von der Nidda, die selbst wenig Gefälle hat, nicht alle aufgenommen werden. Es kommt deshalb zu einem starken Rückstau, so daß die Horloff dann über ihre Ufer tritt und den weiten Wiesengrund zwischen Reichelsheim und Leidhecken überflutet. Dieser Zustand besteht schon Jahrtausende aber es trat nicht so stark in Erscheinung, da man genügend Wiesenland zur Heugewinnung zur Verfügung hatte und man auf etwaige Sumpfstellen nicht angewiesen war. Das änderte sich aber, als die verstärkte Viehhaltung mehr Heugewinnung verlangte und man von der Weidewirtschaft zur Stallhaltung überging. Nun mußte man versuchen die Sumpfstellen durch Trockenlegung mehr und mehr verschwinden zu lassen. Deshalb wurde um das Jahr 1820 von Utphe her, das weiter oberhalb im Horlofftal liegt, begonnen einen Entlastungsbach zu graben, dem man den Namen Horloff-Flutbach gab. Schon die Art wie dieser Flutbach angelegt wurde beweist, daß er neueren Datums war. Lange Jahrzehnte erfüllte er seinen Zweck und verminderte die Überschwemmung der Horloff im Wiesengrund südlich der Straße Reichelsheim-Bingenheim. Um die Jahrhundertwende jedoch tauchte der Plan auf noch mehr Wiesen im genannten Grund, hauptsächlich die Wiesen im Sauern, dem sogenannten Entenfang und im Mähried, in den sogenannten Wehrböden trocken zu legen. Im Zuge der Feldbereinigung von Reichelsheim bekam die Horloff vom Faselstall Reichelsheim aus ein neues Bett gegraben. Ein Jahr lang gruben italienische und kroatische Fremdarbeiter der Horloff ein neues Bett. Der Unternehmer - ein Italiener - hatte ein Pferd, Rollwagen und Gleise gekauft. Nun wurde emsig gebuddelt, bei gutem und bei schlechtem Wetter. 7 Jahre war ich damals alt (1900) und ich erinnere mich noch recht gut, wie wir Buben damals mehrfach den Arbeitern zusahen. …
Im Sommer 1900 spielten wir sonntags in den Weidländern immer dann, wenn keine Erwachsenen in der Nähe waren, mit den Loren der Feldbahn und ließen diese in die Tiefe sausen. Selten fuhr mal einer von uns selbst mit hinunter, denn so viel wußten wir schon: Das konnte das Leben kosten, wenn man nicht bremsen konnte.
Endlich war dem Bach das neue Bett gegraben und das alte Bachbett zugeschüttet. Die ersten Jahre nach der Fertigstellung erwies es sich als sehr wertvoll, daß man der Horloff ein neues Bett gegraben hatte. Entenfang und Wetterböden lieferten uns Heu über die Maßen - wenn auch ein sehr hartes Gras, was vom Vieh nicht gerade mit Vorliebe gefressen wurde. ...

Im ersten Winter schon 1900/01, als der Bachlauf kaum fertig war, gab es eine Riesenüberschwemmung. Die riesigen Wassermassen aus dem Vogelsberg hatten den ganzen Wiesengrund zwischen der neuen Horloff und Leidhecken in einen einzigen großen See verwandelt. Dann kam ein strenger Frost - die Wassermassen gefroren. Eine große Eisfläche reichte vom neuen Steg bis hin nach Oberflorstadt und Staden. Das war einmalig und gab es in diesem Ausmaß nie wieder.




Erwähnungen aus anderen Quellen in Bezug auf die Horloff

Auszüge der festgehaltenen Erinnerungen von Albert Nohl (30.04.1893 - 14.12.1989)

Entlang der Horloff - Erinnerungen von Albert Nohl


Aus "Nieder Florstadt - Geschichte einer Stadt in der Wetterau" von Dieter Alt und Jürgen Reuss:

"1898 wurde in der Gemarkung Nieder-Florstadt mit dern ersten Teil der Flurbereinigung nördlich von der Staatsstraße nach Friedberg begonnen. Gleichzeitig wurden vorhandene Straßen und Wege ausgebaut; so z. B. die Straße nach Reichelsheim. Der zweite Teil der Feldbereinigung wurde 1899 durchgeführt. Dabei handelte es sich um das Gebiet südlich der Friedberger Straße bis zum Wald und um das ..Bir'kser Feld". l903 kam dann der dritte und letzte Teil der Bereinigung an die Reihe. Er fiel mit der Regulierung der Horloff zusammen und betraf das Wiesengelände um dieses Gebiet. Der Bach verlief früher von der Reichelsheimer Brücke bis nach Leidhecken und von da ab in einem großen Bogen durch die Wiesen bis an die Einmündungsstelle in die Nidda. Da es immer wieder zu Überflutungen in diesem Bereich kam, entschloss man sich, den Bachlauf von Reichelsheim in gerader Linie nach Ober-Florstadt umzulegen. Die Flusslänge wurde um 1000 Meter verkürzt, dabei wurden 100000 Kubikmeter Erde bewegt. Zeitweise waren 200 Arbeiter beschäftigt, zur Hälfte ltaliener und Kroaten."


Aus: Ein Streifzug durch die Geschichte Spaziergang durch die Reichelsheimer Zeitgeschichte bis 1992 von Werner Coburger

Der Wasserverband "Untere Horloff" führt in den Jahren 1959 - 1962 die Horloff-Verlegung und Entschlammung durch. Dabei Neubau der Brücke am Nordostausgang von Reichelsheim.

Hierzu ist zu lesen in: "Ausbau der Nidda" Regelung der Abflußverhältnisse im Niederschlagsgebiet Herausgegeben vom Ministerium für Landwirtschaft und Forst (Bearbeitet vom Wasserwirtschaftsamt Friedberg im Januar 1963)
Die Horloff hat bei einem ungenügenden Abflußquerschnitt ein noch geringeres Längsgefälle als die Nidda und ufert schon bei kleineren Hochwasserabflüssen aus. Zur Verbesserung der Abflußverhältnisse - hier wirkt sich jeder Zentimeter Gefällegewinn günstig aus - wurde 1958-61 der Unterlauf von der Einmündung in die Nidda bei Ober-Florstadt bis nach Grund-Schwalheim mit einem Kostenaufwand von rd.5,5 Mill. DM ausgebaut. Träger der Maßnahme ist der 1958 gegründete Wasserverband ,,Untere Horloff". Erste Erfolge zeigten sich bereits im vergangenen Jahr; starke Sommerhochwasser im unteren Horlofftal hatten keinerlei Schäden verursacht.

In einem Artikel der Wetterauer Zeitung vom 20. Mai 1960 heißt es: Durch die Beseitigung des Wehres an der Reichelsheimer Mühle wurde ein Gefälle von 1,50 m gewonnen, so daß die raschere Fortführung anfallender Wassermengen gewährleistet ist und das Gelände nicht mehr von Überflutungen bedroht wird.

In diesem Ausschnitt eines Planes von 1959 erkennt man Teils den alten und neuen Verlauf der Horloff sowie die Lage der alten und der neuen Brücke am Ortsausgang Rtg. Bingenheim.


Zu lesen unter http://www.sportfischerclub-echzell.de/gew-horloff.html vom Juni 2015

Die Horloff - unser Fließgewässer Zum 01. April 1987 verpachtete uns die Gemeinde die Horloff im Bereich der Gemarkung Echzell. Die Strecke beginnt oberhalb Grund-Schwalheim im Naturschutzgebiet beim Wehr unterhalb des Unteren Knappensee, unterquert die B455 sowie die Bahnstrecke Richtung Nidda und die A45, lässt den Ortsteil Bisses links liegen bevor sie Echzell nahe dem Bahnhof durchquert, dann weiter an Gettenau und zwischen dem Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried und Bingenheim vorbei ca. 100 m vor dem Ortsbeginn Reichelsheim endet. Das Befischen der Horloff ist nicht einfach und wird nur von wenigen Vereinsmitgliedern betrieben. Gründe hierfür sind die häufig wechselnden Wasserstände, die insbesondere in den Sommermonaten über weite Strecken ausgeprägte Gewässerverkrautung und der starke Uferbewuchs mit Schilf und Brennnesseln. Die Horloff hat eine Wasserqualität der Güteklasse 2 und einen überraschend vielfältigen Fischbestand mit Aal, Barben, Barsch, Bitterling, Blaubandbärbling, Döbel, Gründlinge, Hasel, Hecht, Karpfen, Nase, Rotaugen, Rotfedern, Schleie, Schmerle und Stichling. Ein Besatz mit Bachforellen verlief erfolglos, alle Fische wurden innerhalb kürzester Zeit von einem Schwarm Kormoranen gefressen. So schön wie noch 1955, als man in der Horloff noch baden konnte und das Wasser noch sauber und klar war, zeigt sich der Fluss heutzutage nicht mehr. Nördlich unseres Ortes floss die Horloff in zahlreichen Windungen durch Erlenbüsche und Erlenhochstämme, die das Ufer säumten. Leider hatte diese Idylle einen großen Nachteil. Es verging kaum ein Jahr in dem nicht infolge Hochwassers die Ernte verdorben und weite Bereiche des Ortes überschwemmt wurden. Weshalb in den Jahren 1958/59 die Horloff im Abschnitt Echzell - Reichelsheim in ein völlig neues, breites und begradigtes Bachbett verlegt und aus dem Ortsbereich von Echzell und Gettenau herausgenommen wurde. Unter diesen Veränderungen leidet unsere Pachtstrecke noch heute. Der natürliche Gewässerverlauf ist einer Kanalisierung mit keinem oder nur sehr geringem Baum- und Buschbestand an den Ufern gewichen. Dies ist nicht mehr völlig umkehrbar, jedoch wurde 2002 der Bachlauf im Bereich unterhalb der A45, nahe Bisses bis knapp vor Echzell renaturiert und auch wieder bepflanzt. Hier reichert sich das Gewässer mit Sauerstoff an und es entstehen neue Gumpen und Fischunterstände. Dies wird sich längerfristig positiv auf die Wasserqualität und den Fischbestand auswirken. Eine weitere Verbesserung resultiert auch aus dem Rückgang der Milchviehhaltung und Bullenmast und der damit verbundenen deutlich reduzierten Gülleausbringung in den ufernahen Wiesenflächen. Beabsichtigt ist ferner eine weitere Renaturierung im Bereich von Bingenheim voraussichtlich ab 2012/13. Bilder und Text: Ulf Wittich

Weblinks


Bilddateien