Flugplatz Reichelsheim

Aus Historisches Reichelsheim
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Der Flugplatz Reichelsheim hat seinen Ursprung im dritten Reich.

1934 erhielt Reichelsheim vom zuständigen Wehrmachts-Kommando den Auftrag, in dem Wiesengelände links der Horloff in den Gewannen 10 und 12 Gelände für einen Militärflugplatz zur Verfügung zu stellen und dieses entsprechend herzurichten. Daraufhin hatte man unter der Leitung eines Tiefbauingenieures begonnen, von der "Höh" bis zum "Mähried" zu drainieren und das Gelände zu planieren. Am Bauchborn wurde vom Florstädter Weg her eine Zufahrt hergestellt und über die Horloff eine Brücke gebaut. In unmittelbarer Nähe zu dieser Brücke entstand ein Bassin mit Pumpstation. Hier wurde zunächst das Drainagewasser gesammelt und dann, bei Bedarf in die Horloff gepumpt. Dies war notwendig, da das Bachbett höher lag als das Flugplatzgelände. Laut Albert Nohl waren dazu erhebliche Maßnahmen zur Trockenlegung erforderlich, die seiner Erinnerung nach Unsummen gekostet haben müssen. 1935 wurde begonnen, den Schulungs-Flugplatz der Luftwaffe zu errichten. 1936 kam erstmals eine Fliegerstaffel aus Kassel-Rothwesten zu Übungsflügen. Zum Abschluß des Manövereinsatzes fand jeweils ein allseits beliebter Manöverball statt. Der Flugplatz wurde in den folgenden Jahren nach und nach ausgebaut. Bis zur Fertigstellung des Wirtschafts- und Verwaltungsgebäudes und der Unterkünfte waren die Soldaten meist mehrere Wochen bei Familien im Ort einquartiert. Im Saal des Café Vaterland fanden theoretischen Ausbildungen statt. Verköstigt wurden die Soldaten durch die truppeneigene Feldküche. Kinder hielten sich immer gerne bei den Soldaten auf - besonders während der Essensausgabe.

Vornehmlich waren dort Segelflugzeuge für Flugübungen stationiert. Die Motorwagen mit Seilwinde - zum Hochziehen der Segler - standen am Ortsrand von Reichelsheim. Etwa ab 1943 diente der Flugplatz als sogenannter "Scheinflugplatz" - es wurden Attrappen aufgestellt, um damit die gegnerische Luftaufklärung zu täuschen. Der Reichelsheimer Flugplatz als auch der Ort Reichelsheim wurde gegen Ende des Krieges mehrfach von Jagdfliegern attackiert. Die Hallen und Atrappen wurden dabei weitestgehend beschädigt oder gar zerstört. Das Verwaltungsgebäude aber, welches zwischen Brücke und Bassin stand, blieb seltsamerweise verschont. Nach dem Krieg hatte der Reichelsheimer Flugplatz seine Bedeutung verloren und die noch vorhandenen Gebäude und Gebäudeteile wurden 1952 von der Gemeinde zum Abriss versteigert. Bis dahin hatte Reichelsheim aber auch dort Flüchtlinge bzw. Heimatvertriebene untergebracht. Ein Haus ohne Strom und Wasser - aber immerhin ein Dach über dem Kopf.

15 Jahre später suchte man in Bad Nauheim nach einem geeigneten Flugfeld für größere Luftfahrzeuge als dort zugelassen. Aufgrund dieses Umstandes erlangte der ehemalige Ausbildungsplatz in Reichelsheim das Interesse des Bad Nauheimer Unternehmers Arnold Forster. Der Reichelsheimer Wilhelm Bender, zu dieser Zeit bei der Fa. Forster Messautomatic tätig, kümmerte sich darum. Hier erkannte er die Möglichkeit seine und die Interessen des Bad Nauheimer in Einklang zu bringen. W. Bender legte sozusagen symbolisch den Grundstein für den heutigen Verkehrslandeplatz Reichelsheim.

Es entstand südlich vom ehemaligen Luftwaffengelände ein Privatflugplatz mit zwei Landebahnen. Ein Bau mit Flugleitung, Restaurant und Dachterrasse folgten. Was den Reichelsheimer Flugplatz so „besonders“ macht, ist der Umstand, daß die Gebäude und das Vorfeld durch das Flüsschen "Horloff" von der Landebahn getrennt sind und die Flugzeuge zwischen Landebahn und Vorfeld nur über zwei Brücken verkehren können.

Der Landeplatz Reichelsheim wurde mit Genehmigung des Ministers für Wirtschaft und Verkehr vom 16. Dezember 1960 durch die Firma Forster Messautomatic errichtet und nach der am 18. August 1962 erfolgten Abnahmeprüfung in Betrieb genommen. Am 22.09.1962 übergab Landrat Milius den ersten Privatflugplatz der Wetterau seiner Bestimmung.

Mit Genehmigung des Ministers für Wirtschaft und Verkehr vom 16. Dezember 1964 wurde der Betrieb mit Luftfahrzeugen von bis dahin 2000 kg auf 3.500 kg höchstzulässigem Fluggewicht gestattet.


In der Nachkriegsgeschichte des Reichelsheimer Flugplatzes gab es bisher 2 tragische Unglücksfälle:

  • 16 Januar 1975 - Kurz nach dem Start stürzte ein einmotoriges Sportflugzeuges zwischen dem Flugplatz Reichelsheim und Ober-Florstadt ab. Die Maschine war aus bisher ungeklärter Ursache kurz nach dem Start ins Trudeln geraten und bohrte sich dann in das sumpfige Wiesengelände. Beide Insassen, der 22jährige Günter Hecht aus Butzbach, und der 19jährige Peter Zeiziger aus Reichelsheim wurden auf der Stelle getötet. Günter Hecht war der Neffe des Kunstflugeuropameisters Richard Hecht (Butzbach) und auch er war auf dem besten Wege, ebenfalls ein Kunstflugass zu werden. Günter Hecht und Peter Zeiziger waren bei der „Wirtschaftsflug" in Reichelsheim als Mechaniker und Piloten beschäftigt. Sie hatten den Auftrag, bei der einmotorigen tschechischen „Zlin Trainer" des Kunstflugeuropameisters Richard Hecht die Jahresüberprüfung vorzunehmen. Nach dieser Generalinspektion sollte ein halbstündiger Werkstattflug folgen, bei dem die Maschine in der Luft noch einmal auf Herz und Nieren geprüft wird. Aber bereits eine Minute nach dem Start - um 10.40 Uhr -, als Günter Hecht eine Linkskurve in Richtung Ober-Florstadt zog, schmierte das Sportflugzeug aus 120 Meter Höhe über die linke Tragfläche ab, geriet Ins Trudeln und bohrte sich fast senkrecht in den Wiesenmorast. Für beide Insassen gab es keine Rettung. Ihr total zertrümmertes Cockpit steckte eineinhalb Meter in der Wiese.
  • 12. Juni 2011 – Der Pilot eines Luftschiffs stirbt als beim Landeanflug der Blimp durch einen Aufprall in Flammen aufgeht. Anlässlich des Hessentages 2011 pendelt der Goodyear 'Blimp' zwischen dem Flugplatz Reichelsheim und Oberursel. Das Luftschiff gehört zu einer Verkehrssicherheitskampagne von Goodyear, der Deutschen Verkehrswacht (DVW) und des Automobilclub von Deutschland (AvD). Kurz vor 17 Uhr hebt das Luftschiff in Reichelsheim ab. An Bord sind neben dem 52-jährigen australischen Piloten Mike Nerandzic zwei RTL-Journalisten und Fotograf Joachim Storch. Sie schweben rund drei Stunden über dem Hessentag in Oberursel und machen Aufnahmen. Gegen 20:15 Uhr erreicht das Luftschiff Reichelsheim. Pilot Mike Nerandzic fliegt den Landeplatz auf der Grasbahn von Norden an und wird bereits von der Bodencrew auf einer Wiese davor erwartet. Ca. 470 Meter vor der Grasbahn setzt das Luftschiff mit der Gondel unsanft auf. Bei dem Aufprall bricht das Fahrwerk ab. Benzin tritt aus und entzündet sich. Während der Pilot versucht den Blimp stabil zu halten, springen die 3 Passagiere nach und nach aus der Gondel des brennenden Luftschiffes, welches zu diesem Zeitpunkt in einer Höhe von ca. einem bis zwei Meter über dem Boden schwebt. Durch den Gewichtsverlust der drei Personen steigt das Luftschiff wieder in die Höhe - höher und höher. Augenzeugen berichten von grausamen Schreien des Piloten. Pilot Mike Nerandzic verbrennt bei lebendigem Leib auf seinem Pilotensitz.


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weitere interessante Fakten zum Flugplatz Rhm zu finden auf http://www.alexanderhitz.de/reichelsheim_flugplatz.html


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