Artikel der Rubrik "Damals" / Weihe des Kriegerdenkmals im Juli 1910

Aus Historisches Reichelsheim
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Für den Stadtkurier 17. Juli 2020
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals" ist:
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


Bildbeschreibung:


Reichelsheim


Denkmalweihe im Juli 1910


Auf dem ehemaligen Marktplatz vor dem Rathaus steht seit 110 Jahren ein Denkmal.

Eingeweiht wurde es im Juli 1910 im Rahmen eines großen mehrtägigen Festes des Kriegervereins Reichelsheim anlässlich des 40. Jahrestages zum Kriegsbeginn vom 19. Juli 1870

Zur damaligen Zeit waren die Kriegervereine unter dem Dachverband Kyffhäuser Bund mit knapp 3 Millionen Angehörigen die mitgliederstärkste Organisation in ganz Deutschland. Das Militär war hoch angesehen und der Matrosenanzug gehörte zu den beliebtesten Kleidungsstücken für Kinder.

Der Sieg gegen Frankreich 1871 mit der darauf folgenden Reichsgründung verlangte nach Symbolen, die diese Errungenschaften in würdiger Form für Gegenwart und Zukunft sichtbar festhalten konnten.
Die Begeisterung über Sieg und Reichseinigung führte in den Folgejahren dazu, dass es erstmals in großem Umfang in ganz Deutschland zu Denkmalserrichtungen kam. Auslöser war ein Erlass im Jahre 1890, der es den Gemeinden erlaubte, eigens die Befugnis zur Errichtung von Denkmälern zu erteilen. So entstand auch bei den Reichelsheimer Veteranen der Gedanke, in ansprechender Weise an die Teilnehmer des Krieges 1870/71 und der auf dem Schlachtfeld verbliebenen Kameraden zu erinnern.

Vom ersten Gedankengang bis zur endgültigen Ausführung kam es in der Gemeinde zu mehreren Wirren und Unvorsichtigkeiten. So war der Aufstellungsort bis zuletzt strittig und auch der Kostenaufwand erwies sich aufgrund der endgültigen Ausführung des Denkmals deutlich zu hoch und die Finanzierung damit in Frage gestellt. Letztendlich war der Auftrag vergeben und der Vereinsvorstand als Auftraggeber mußte die vereinbarte Summe mit privaten Mitteln begleichen.

In den Folgejahren diente das Denkmal zu den jährlich wiederkehrenden Festtagen regelmäßig als Ort patriotischer Feste, so zum Sedantag oder Kaisergeburtstag. Selbstredend, daß in der nationalsozialistischen Zeit an dieser “Kultstätte“ entsprechende Feierstunden abgehalten wurden.

Dem Platz am Denkmal hatte man zu dieser Zeit den ehrenvollen Namen "Platz der SA" gewidmet.

Seit Kriegsende 1945 hat das Denkmal an Bedeutung verloren und wittert vor sich hin. Einige Teile sind bereits weggebrochen wie z.B. der Unterkiefer des Löwen oder die Enden der Fahnenstange, die der Soldat in die Höhe streckt. Die feinen sandsteinernen Ausarbeitungen an den Abbildungen sind vom Zahn der Zeit gezeichnet.

Dennoch ist dieses Denkmal in Erinnerung an die Zeit der deutschen Einigungskriege eines der größten und schönsten in unserer ländlichen Gegend.


Mehr dazu auf http://reichelsheim-wetterau-wiki.de/index.php?title=Ortsteil_Reichelsheim_/_Kriegerdenkmal_1870/71


Das Bild zeigt eine Originalcollage der damaligen Festdamen und dem geschmückten “neuen“ Denkmal. Die Namen der jungen Frauen sind weitestgehend bekannt.

Frieda und Lina Fritz, Frieda Faist, Frieda Lang, Minna Stephan, Frieda Richter, Wilhelmine und Marie Welcker, Emma und Minna Meier, Minna Bausch, Pauline Lang, Minna Fleischhauer, Lina Heß, Lina Stelz, Emma Vogt, Meta Fleischhauer. Weitere Namen sind leider nicht überliefert.



Rhm Festdamen und Kriegerdenkmal 1910.jpg