Artikel der Rubrik "Damals" / Farblithografie Reichelsheim um 1900

Aus Historisches Reichelsheim
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Für den Stadtkurier 26. April 2013
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals" ist:
Horst Diehl
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


In 1986/87 hatte Herr Gerhard Hofmann im Auftrag der Stadt Reichelsheim unter anderem ein umfangreiches Bilderarchiv erstellt, in dem alte Fotografien und Ansichtskarten aus allen Stadtteilen zusammengetragen und in langwieriger Arbeit dokumentiert worden sind.
Eine Auswahl dieser Bilder wurde nach Abschluß dieser Arbeit wöchentlich im Stadtkurier veröffentlicht und somit allen Bürgern zugänglich gemacht.
Nun - nach 25 Jahren - möchten wir diese Bilder erneut der Öffentlichkeit vorstellen und uns bei allen bedanken, die zu diesem Archiv beigetragen haben.

Wir hatten im Dezember mit " Weihnachtsgrüße aus Reichelsheim Anno 1950" begonnen und werden nun wöchentlich ein Bild mit der entsprechenden Dokumentation in der Rubrik "Damals" veröffentlichen.

Diese Beschreibungen sind möglicherweise lückenhaft oder gar fehlerbehaftet und sind nach damaligem Wissen überliefert und festgehalten worden.
Wir sind für jeden ergänzenden Hinweis dankbar und für jeden Verbesserungsvorschlag offen.


Bildbeschreibung:

Farblithografie von Reichelsheim um 1900


Lithografie = von griech. Stein und schreiben = Steindruckverfahren.


Die farbige Lithografie wurde von einem Franzosen um das Jahr 1840 entwickelt und war bis in die 1950er Jahre aktuell. <br< Man druckte in mehreren Arbeitsgängen verschiedene Grundfarben übereinander und erzeugte damit ein Bild mit zahlreichen Mischtönen.

Eine sehr schöne Ansichtskarte, die außer dem Friedhofsturm, der Kirche und den im Jahre 1897 fertig gestellten Bahnhof die drei Abschnitte der Durchgangsstraße in Nord-Südrichtung darstellt.

Die Hauptstraße aus der Sicht in Höhe der Einmündung Obere Haingasse Richtung Süden auf das Rathaus und die Kirche. Darunter die Untergasse aus der Sicht in Höhe der Einmündung Kirchgasse nach Süden – die heutige Florstädter Straße. Oben rechts die Vorstadt. Vorstadt nannte man den Teil Reichelsheims, welcher sich außerhalb der alten Stadtmauer vor dem Obertor in Richtung Norden entwickelte - vor der Stadt eben. Abgebildet ist der ehemalige Adelssitz des Landmajors von Trillitz. Wegen der im ursprünglichen Türbogen eingearbeiteten Jahreszahl 1725 wird vermutet, daß dieses das Jahr der Erbauung ist. Das Gehöft auf der rechten Straßenseite - von dem im Bild ist nur ein Schuppen davon zu sehen ist - wird in das Jahr 1730 datiert. Es soll dem Fürsten Heinrich von Schwarzburg-Sondershausen gehört haben, welcher im Jahre 1758 als regierender Fürst verstarb und in der Sakristei unserer Kirche beigesetzt ist.
Das nächste Haus auf der rechten Straßenseite ist der „Gasthof zur Post“ – vor 1900 noch ohne den Anbau im Jugendstil. Der „Gasthof zur Post“ ist definitiv auch schon recht alt, doch über die tatsächliche Bauzeit kann man nur mutmaßen. Bekannt ist, daß der Gasthof schon unter dem Namen „Nassauer Hof“ existierte, als in 1844 die Postexpedition nach Reichelsheim kam. Die nachfolgenden Häuser sind erst nach 1870 entstanden. Bis zur „Reichelsheimer Mühle“ - die heutige Bingenheimer Straße 57- waren dort rechts und links der Straße Gärten und Wiesen.

Interessant ist auch das abgebildete Wappen zwischen Turm und Kirche. Nach dem verlorenen deutsch-deutschen Krieg in 1866 wurde in den nun preußisch zugehörigen Ländern der Löwe, - als Zeichen der Zugehörigkeit zu Nassau - oft weggelassen.

Wann denn nun der Löwe wieder in unser Reichelsheimer Wappen zurückgekehrt ist konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Die zwei blauen Kreuze und den Reichsapfel hat man im 1973 genehmigten Stadtwappen gegen zwei Rebblätter und ein schwarzes Kreuz ersetzt. Den nassauer Farben Gelb und Blau sind wir treu geblieben.


Rhm Lhitografie 1.jpg