Artikel der Rubrik "Damals" / Einschulung 1932

Aus Historisches Reichelsheim
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Für den Stadtkurier 28. August 2013
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals" ist:
Horst Diehl
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


In 1986/87 hatte Herr Gerhard Hofmann im Auftrag der Stadt Reichelsheim unter anderem ein umfangreiches Bilderarchiv erstellt, in dem alte Fotografien und Ansichtskarten aus allen Stadtteilen zusammengetragen und in langwieriger Arbeit dokumentiert worden sind.
Eine Auswahl dieser Bilder wurde nach Abschluß dieser Arbeit wöchentlich im Stadtkurier veröffentlicht und somit allen Bürgern zugänglich gemacht.
Nun - nach 25 Jahren - möchten wir diese Bilder erneut der Öffentlichkeit vorstellen und uns bei allen bedanken, die zu diesem Archiv beigetragen haben.

Wir hatten im Dezember mit " Weihnachtsgrüße aus Reichelsheim Anno 1950" begonnen und werden nun wöchentlich ein Bild mit der entsprechenden Dokumentation in der Rubrik "Damals" veröffentlichen.

Diese Beschreibungen sind möglicherweise lückenhaft oder gar fehlerbehaftet und sind nach damaligem Wissen überliefert und festgehalten worden.
Wir sind für jeden ergänzenden Hinweis dankbar und für jeden Verbesserungsvorschlag offen.


Bildbeschreibung:


Reichelsheim:


Einschulung 1932 - Bild vor der Kirche (damals Schulhof)

Diese Woche war für viele wieder ein besonderes Ereignis – Die Einschulung!
In Reichelsheim gab es damals zwei Klassen: Die Klasse 1-4 und die Klasse 5-8, dann war für die meisten die Schule geschafft.
1932 war das, was man heute das historische Rathaus nennt das Schulgebäude und die 2 Klassenräume waren im oberen Stock untergebracht. Ganz oben unterm Dach war ein weiterer Raum. Dort hatten die „älteren“ Unterricht während ihres praktischen Jahres, welches in der Regel in der Landwirtschaft abgeleistet wurde - so etwas wie Berufsschule. Auch Koch- und Nähkurse und alles was zur Hauswirtschaft gehörte hatte man hier gelehrt – sogar Waschkurse gab es.


Einen Rückblick auf ihre Schulzeit – geschrieben von Erika Kappes
Als der Schulanfang dann kam, ein jeder sein Ränzlein auf den Rücken nahm.
Im Schulsaal angekommen, ein jeder sein Plätzchen hat eingenommen.

Der Lehrer mit einigen Worten uns empfing,
eine große Bretzel war unser Gewinn.

In den nächsten Tagen ging’s schon ernster zu
und manchmal drückte schon hier und da der Schuh.

Als wir gingen dann nach Haus',
machten wir schon was anderes aus.

Pärchen wurden zusammengestellt nach Wahl,
5 waren es an der Zahl.

Als ein paar Jahre waren vergangen,
haben wir mit nähen angefangen.

Tintenläppchen mussten es sein,
wir Mädchen konnten uns versorgen allein.

Auch die Buben mussten sich damit versehen,
da fingen wir Mädchen an für sie zu nähen.

Die schönsten Läppchen und Knöpfchen wurden ausgesucht,
eine Anerkennung wurde für uns verbucht.

Nun ging es in die große Schule zu Herrn Lehrer Lotz,
das war manchmal ein schwerer Klotz.

Wenn er den Stecken nahm zur Hand,
da wären die Buben manchmal gerne fortgerannt.

Auch wir Mädchen blieben nicht verschont,
wir bekamen die Backen mit der Hand versohlt.

Wenn die Geschichtsstunde kam,
da waren wir Mädchen besonders übel dran.

Der Lehrer sagte: " Betrachtet Euch an die vier,
so lang wie die sind, so dumm sind sie hier.
Auch die Buben waren nicht besser als wir,

nur der Herbert machte immer ein schmunzelnd Gesicht,
der hat immer richtig gelernt die Geschicht.

Heute blicken wir anders in die Welt
und haben uns auf vieles umgestellt.

Als wir aus der Schule entlassen,
trafen wir uns öfters auf den Gassen.

Unsere Freundschaft war immer eine Echte,
vier Wochen danach beim Tanzen am 01. Mai war sie schon zu Nichte,
als bei der ersten Musik uns die Soldaten bekamen zu Gesichte.

Unsere Herren waren eingeschnappt
und haben uns beim Tanzen auf die Zehen getappt.

Unsere Freundschaft ging dadurch verloren, sie haben unsere Bilder zerrissen
und auf den Waldweg hingeschmissen.

Nach Jahren haben wir uns wiedergefunden
und wollen heute verleben recht fröhliche Stunden.



Rhm Einschulung 1932.jpg