Artikel der Rubrik "Damals" /Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt

Aus Historisches Reichelsheim
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Für den Stadtkurier 22. März 2019
Rubrik "Damals"

Verantwortlich und Ansprechpartner für die Rubrik "Damals" ist:
Horst Diehl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim/Wetterau e.V. (HGV)
Bingenheimer Straße 29
mail-Adresse: h.diehl@web.de


Bildbeschreibung:

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt

So lautet der Text eines beliebten Kinderliedes seiner Zeit. 1884 wurde es komponiert und für einen Wettbewerb verfasst.

1.Strophe

Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt.
Er pfleget und pflanzet all’ Bäume und Land.
Er ackert, er egget, er pflüget und sät,
und regt seine Hände gar früh und noch spät.

Diese Version erschien erstmals gedruckt in dem „Liederbuch für die Deutschen in Österreich“, das Josef Pommer im Jahr 1905 herausgab. Diese erste Strophe basiert auf ein älteres Lied welches aus dem mährischen überliefert wurde und in jeder Strophe einen typischen Monat aus der Landwirtschaft typisiert.

„So hasset die Sorgen“
In der vierten Strophe heißt es:

Im Märzen der Bauer die Ochsen einspannt,
bearbeit die Felder, besäet das Land,
er pflanzet und pelzet all Bäumlein im Land,
das bringet uns alle in frölichen Stand.

Die textliche Ähnlichkeit mit dem späteren populären Frühlingslied ist unübersehbar. Darüber hinaus wurden melodische Bezüge zwischen beiden Liedern nachgewiesen: Das Kalenderlied „So hasset die Sorgen“ verwendete in den verschiedenen Regionen unterschiedliche Melodien, wobei jedoch eine Version aus Schlesien jene Melodie überliefert, aus der im 20. Jahrhundert unüberhörbar die populäre Weise des Frühlingsliedes „Im Märzen der Bauer“ hervorging.


Das Foto zeigt einen von Hand geführten Pflug hinter einem Gespann von 3 Pferden. Sozusagen ein Pflug mit 3 PS. Hieran kann man auch gut erklären woher die Flächenbezeichnung „Morgen“ abgeleitet wurde. Ein Morgen ist die Fläche, die innerhalb eines Morgens von einem einscharigen (Ochsen-) Pflug bearbeitet werden konnte. Wobei der Zeitabschnitt eines Morgens – also eines Vormittags – nicht einheitlich definiert war und ein Morgen demnach in verschiedenen Landesteilen unterschiedlich groß gewesen ist. Die Fläche reichte von 2500qm bis über 10.000qm.

Erst im 20. Jahrhundert setzte sich Deutschlandweit der 1869 eingeführte metrisierte Morgen des Norddeutschen Bundes von 2500qm durch.


Das Foto aus der Zeit um 1930 wurde uns von Lothar Schreiber zur Verfügung gestellt und stammt noch aus der Heimat in seiner Jugend - Dietmarsdorf in Preußen


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